Aktueller Stand 3. Kunstrasenplatz

Liebe Fußballfreunde von Rot-Weiß Walldorf, werte Gäste,

der Saisonauftakt ist allen drei Seniorenmannschaften gelungen.
Auch der Jugendbereich ist sehr gut gestartet. Fußball bei Rot-Weiß ist interessant und attraktiv. Es lohnt sich also durch Ihren Besuch den Verein
zu unterstützen.

Aktuell möchte ich Ihnen aber über den aktuellen Stand zum geplanten 3. Kunstrasenplatz berichten.
Das Projekt wurde von der Stadtverordnetenversammlung befürwortet. Damit ist der städtische Zuschuss sicher. In der Prioritätenliste Sportstätten
bau stehen wir im Kreis GG an erster Stelle. Zuschüsse vom Land Hessen und dem Kreis GG sind damit fast sicher. Hier fehlt noch die schriftliche
Bestätigung. Wir können wohl mit der öffentlichen Ausschreibung in diesem Jahr starten. Baubeginn wäre dann im ersten Quartal 2023.

Was fehlt noch? Bedanken kann ich mich bisher für Spenden in Höhe von fast 56.000 €. Das ist schon sehr erfreulich. Für eine solide Finanzierung
hatten wir mindestens 100.000 € eingeplant. Bitte helfen Sie mit die Differenz noch zu erzielen. Helfen kann man mit Spenden, aber auch mit
aktivem Ansprechen von Freunden, Gönnern, Eltern unserer Spieler inklusive der Jugendspieler. Wenn diese restliche Summe noch
zusammengetragen wird, können wir wohl ohne Fremdkapital den 3. Kunstrasenplatz bauen. Das wäre einmalig in der Vereinsgeschichte. Ich bitte
ausdrücklich um Ihre Hilfe und bedanke mich herzlich dafür.

Genießen Sie den Tag auf unserer Sportanlage im „B-Schmitt mobile Stadion" und unterstützen Sie als Fan und kritischer Besucher unsere
Fußballspiele.

Drücken Sie mit uns die Daumen für unsere Teams.

Ihr Manfred Knacker
1. Vorsitzender RW Walldorf

Haben Sie in der Zeit Gespräche mit anderen Vereinen geführt?
Ja, ich hatte einige Angebote, habe aber immer signalisiert, dass ich erst einmal Zeit für mich brauche, um den unschönen Abschied in Ginsheim zu verarbeiten. Da
haben mich einige Vorstandsmitglieder menschlich sehr enttäuscht. Und ich brauchte Zeit, weil ich mich erst mit einer neuen Aufgabe, einem neuen Verein
identifizieren wollte, denn wenn ich was mache, dann zu 100 Prozent.
Sie hatten zuletzt auch Angebote von anderen Fünftligisten. Warum haben Sie sich für RW Walldorf entschieden?
Zum einen hat Walldorf eine ganz andere Historie als der VfB Ginsheim. Rot-Weiß hat immer hochklassig gespielt und die Menschen, die den Verein seit Jahrzehnten
begleiten und führen, haben ein ganz anderes Verständnis von höherklassigem Fußball als die Ginsheimer, die jahrzehntelang in der Kreisklasse gespielt haben. Wenn
Du keine Grundkenntnisse hast, wie sich die Gegebenheiten und Anforderungen ändern, dann rennst Du immer gegen Wände. Beim VfB gab es oft Dispute, wie der
Weg weitergeht.
Was sprach noch für Rot-Weiß?
Ich habe ein langes Verhältnis zu dem Club, kenne die Alten Herren noch aus meiner Aktivenzeit und die Verantwortlichen auch schon sehr lange. Es ist ein sehr gut
geführter Verein, über den ich nie was Schlechtes gehört habe. Die gute Infrastruktur ist interessant. Auch der finanzielle Background in Walldorf ist anders als in
Ginsheim. Der Verein ist größer, hat mehr Helfer, beispielsweise die Montagsmaler, die den Sportplatz in Schuss halten.
Wie wichtig war die Aussicht auf die Zusammenarbeit mit Trainer Artur Lemm, mit den Sie ja schon sechseinhalb höchst erfolgreiche Jahre in Ginsheim
hatten?
Sehr wichtig. Ich bin mit ihm lange befreundet und unsere Bindung ist stark. Wir arbeiten sehr gut abgestimmt miteinander, sodass es jetzt relativ schnell in die Praxis
gehen kann.
Im Verein sind Sie ja jetzt Lemms Chef, bei seinem Medizinschutz-Unternehmen ist es umgekehrt, da sind Sie als Vertriebsleiter angestellt. Ist das nicht
eine komische Konstellation?
Wenn man uns kennt, wie wir miteinander arbeiten und kommunizieren, dann ist es nicht komisch. Wir wissen, dass wir uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen
können in den Inhalten. Wir treffen Entscheidungen immer gemeinsam und tragen sie beide. Und Verein und Firma sind ganz klar getrennt.
Wie sehen Sie die Perspektive der Hessenliga-Mannschaft von RWW und des gesamten Vereins mit seinen 380 Jugendspielern?
Der Perspektiven sind sehr gut. In der Jugend sind wir mit Abstand der führende Verein im Kreis, spielen überall in den höchsten Klassen, die möglich sind. Im
Hessenliga-Bereich hatten wir andere Ansprüche mit der Mannschaft und den teilweise oberliga- und regionalligaerfahrenen Spielern. Aber man muss sehen, wo die
Spieler herkamen. Manuel Konaté-Lueken zum Beispiel war ein Topspieler in der Jugend, hat in allen Auswahlen gespielt, hat aber davor sechs Monate kaum gegen
den Ball getreten. Wir haben leider die Aufstiegsrunde wegen eines Tores verpasst, aber die Chancen mit der Mannschaft sind gut. Ich gehe davon aus, dass wir
schnell den Klassenerhalt schaffen, auch um Planungssicherheit für Gespräche mit neuen Spielern zu haben. Dann schauen wir, was nächste Saison möglich ist.
Vorsitzender Manfred Knacker hat gesagt, über einen weiteren Aufstieg würde er sich freuen. Ist das auch ein Ziel/Traum von Ihnen?
Ja. Aber man sollte solche Ziele erst einmal besprechen, mit Zahlen und Fakten fundieren und genau planen.
Sie halten die Regionalliga für nicht ausgeschlossen?
Ausgeschlossen halte ich gar nichts im Leben. Wer hätte gedacht, dass Ginsheim mal Hessenliga spielt? Wenn ich diese Vision nicht gehabt hätte, hätten wir das nie
erreicht. Wir hatten das Glück, dass wir fast immer die richtigen Entscheidungen getroffen und vor allem die richtigen Spieler geholt haben.
Wann beginnt für Sie die Planung der nächsten Saison und was werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Ich habe schon einige Walldorfer Spiele gesehen und mir Gedanken gemacht. In ein, zwei Wochen setze ich mich mit Artur zusammen und wir machen einen Plan.
Ich habe Spieler auf dem Zettel, die für einen Hessenligisten interessant sein können. Da müssen wir die Modalitäten anschauen und gucken, wie sie in die Struktur
der Mannschaft und in den Verein passen. Aber RW Walldorf hat mit der Sportanlage, dem Trainer und dem ganzen Umfeld gute Argumente bei Verhandlungen.
Sie haben sich von Ihrem Ex-Verein VfB Ginsheim im Unfrieden getrennt. Wäre es Ihnen eine Genugtuung, wenn der Abstiegsrunden-Konkurrent in die
Verbandsliga müsste?
Das ist mir eigentlich egal. Ich habe noch gute Kontakte zu einigen Menschen beim VfB, aber der Verein interessiert mich nicht mehr.

Das Interview führte Heiko Weissinger.

Für Euch am Ball GG

NEWS
RWW-Chef Knacker: „Wir werden nie mit Schulden pokern"
Der Vorsitzende von RW Walldorf spricht im Interview über die Philosophie des Fußball-Hessenligisten,
Vorbereitungen auf den „Unfall" Regionalliga und eine Spende von Niklas Süle.
Die Hessenliga-Fußballer von Rot-Weiß Walldorf sind mit 16 Punkten aus zehn Spielen gestartet und Tabellendritter, das Kreisoberliga-Team steht auf Platz eins. Im
Interview spricht der RWW-Vorsitzende Manfred Knacker (70) über das erste Saisondrittel und erklärt die Philosophie des Vereins, der sich in Sachen Infrastruktur auch
auf den „Unfall" Regionalliga-Aufstieg vorbereitet.
Herr Knacker, Platz drei in der Hessenliga, die Tabellenführung in der Kreisoberliga: Läuft alles nach Plan in Walldorf?
Wir dürfen den dritten Platz in der Hessenliga nicht überbewerten, denn wir haben mehr Spiele absolviert als andere. Aber nach den zwei letzten Siegen liegen wir
wieder im Plan. Unser Ziel ist, mindestens Fünfter zu werden, damit wir in die Aufstiegsrunde kommen. In der Kreisoberliga ernten wir jetzt die Früchte unserer
Jugendarbeit. Von der letztjährigen Hessenliga-A-Jugend haben es sieben Spieler in den engeren Kader des Teams geschafft. Das bedeutet eine enorme
Qualitätsverbesserung. Wir haben genügend Talente und wären deshalb nicht böse, wenn wir in die Gruppenliga aufsteigen. Wenn man bedenkt, dass unsere erste
Mannschaft in dieser Klasse jahrelang am Aufstieg gescheitert ist, ist das eine tolle Entwicklung.
Was trauen Sie den Teams zu?
Der zweiten Mannschaft traue ich einen Platz unter den ersten Zwei zu, der ersten Rang fünf. Wenn wir in die Hessenliga-Abstiegsrunde kommen, sollten wir so viele
Punkte mitnehmen, dass wir keine Angst haben müssen, zu den fünf oder sechs Absteigern zu gehören.
ZUR PERSON
Manfred Knacker (70) ist seit elf Jahren Vorsitzender von Rot-Weiß Walldorf und seit 25 Jahren für die Finanzen der Fußballabteilung verantwortlich. „Ich habe damals
nach dem Abstieg aus der Oberliga mit minus 100 000 D-Mark angefangen, da waren wir hoch verschuldet", sagt der Betriebswirt, der in der Rhön aufgewachsen ist,
mit 18 Jahren nach Frankfurt umzog und seit 1978 in Walldorf wohnt. „Deshalb agieren wir mit großer Demut, denn wir haben selbst erlebt, wie schnell ein Verein
runtergewirtschaftet werden kann." Manfred Knacker arbeitet in Teilzeit noch in seinem Unternehmen, das 110 Mitarbeiter in der Telekommunikationsbranche zählt.
Selbst hat er nie Fußball gespielt, sondern Badminton und Tennis. „Aber ich besuche seit meinem 18. Lebensjahr mindestens 50 Fußballspiele pro Jahr."
Aufgrund der hochkarätigen Neuzugänge halten manche sogar den Aufstieg der ersten RWW-Mannschaft in die Regionalliga für möglich. Sie auch?
Nein, in dieser Saison ist das völlig unmöglich. Wir haben natürlich ein paar Leute dabei, die mal Regionalliga gespielt haben. Aber in Vereinen, die sang- und klanglos
abgestiegen sind. Manuel Konate-Lueken hat ein Jahr kein Fußball gespielt. Trainer Max Martin hat vor der Saison gesagt, es werde ein schwieriges Jahr, in dem wir
einen Neuaufbau einleiten. Und das zeigt sich auch. Wir haben die Stabilität nicht, das sieht man auch am Torverhältnis von 20:18. Wir können jeden schlagen, wir
können aber auch gegen viele verlieren.
Ist der Aufstieg in die Vierte Liga in den nächsten Jahren möglich?
Wir bauen bis zur Saison 2023/24 ein Stadion mit neuem Flutlicht, zwei Tribünen und Kunstrasen. Und zwar so, dass wir jederzeit, wenn der „Unfall" Aufstieg passiert,
diese Sportanlage so verändern können, dass wir die Vorschriften der Regionalliga mit getrennten Eingängen und Zäunen et cetera erfüllen könnten. Wir planen die
Jugendarbeit so, dass wir jedes Jahr einen Spieler in die Hessenliga bekommen und sechs, sieben in die zweite Mannschaft. Diese Perspektive macht einen „Unfall"
Regionalliga schon möglich. Aber wir wollen immer ein Drittel in die Infrastruktur investieren, ein Drittel in die Jugend und ein Drittel in den Seniorenfußball. Wir sind
nicht Erstmannschafts-gesteuert. Wenn uns ein Sponsor viel Geld für eine Nummer 9 gibt, dann werden wir das nicht dafür nehmen. Fremdbezahlte Spieler bringen bei
uns das Gehaltsgefüge durcheinander - und die Stimmung.
Hinter vorgehaltener Hand heißt es seit Jahren, die Walldorfer würden viel Geld in ihre Mannschaft stecken. Stimmt das? Und woher kommt das Geld?
Es heißt ja immer, wir profitieren von unserem ehemaligen Spieler Niklas Süle. Aber als er seinen ersten Profivertrag unterschrieben und sein erstes Länderspiel
gemacht hat, haben wir gerade mal 10 000 Euro bekommen. Außerdem hat er uns in der Corona-Zeit eine größere Summe gespendet, damit wir unseren Pächter
sowie die Jugendarbeit und deren Trainer unterstützen konnten. Das war ihm wichtig. Unser großer Vorteil ist, dass wir das Sponsoring auf viele Schultern verteilen
können. Und wir haben einen viel niedrigeren Etat, als die Leute glauben. Wenn ein Spieler zu uns will und 1000 Euro im Monat aufruft, dann brauchen wir mit dem
keine zwei Minuten mehr zu sprechen. Denn vierstellig geht bei uns überhaupt nicht. Meine Firma gibt auch was dazu, wir sind sicherlich der Hauptsponsor im Verein,
aber wir haben keinen Goldesel, sonst hätten wir ganz andere Spieler hier. Allerdings bringen die über 700 Mitglieder in der Fußballabteilung mit Sonderbeitrag auch
viel Geld ein.
Wie wichtig ist es für den Verein, einen Nationalspieler herausgebracht zu haben?
Das ist nie schädlich, aber es gibt nicht den Ausschlag. Wir haben mit Niklas Süle und Kevin Pezzoni zwei Bundesligaspieler herausgebracht, aber unser größter
Trumpf ist das Konzept: Wenn ich einen Sponsor einlade, die Anlage zwischen 16 und 18 Uhr zu besuchen, und er sieht die vielen Jugendspieler beim Training, sagt
er: Das ist ja Wahnsinn!
Sie haben mal gesagt, der Profifußball sei Ihnen fremd geworden, „weil er mit Sport fast nichts mehr zu tun hat und ausschließlich kommerzgesteuert ist". Was stört
Sie?
Die unverhältnismäßigen Gehälter. Da kann einer gerade so Bundesliga spielen und bekommt schon ein Grundgehalt von einer Million Euro. Da fühle ich mich in einem
„Dorfverein" wie Rot-Weiß Walldorf wohler. Das ist noch Sport, wir haben eine soziale Verantwortung und ich kann als Mäzen das Glück, das ich im Leben hatte, an
den Verein zurückgeben. Von unseren 380 Jugendlichen haben 200 Migrationshintergrund. Wir tun etwas für die Stadt und das Umfeld. Sponsorengelder in Profivereine
zu stecken, damit Millionäre noch mehr bekommen, das ist nicht meine Motivation.
Rot-Weiß Walldorf ist zum besten Fußballverein im Kreis Groß-Gerau aufgestiegen - das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Was waren die wichtigsten Leitlinien oder
Maßnahmen, die dazu geführt haben?
Dass wir den Senioren- und den Juniorenfußball als gleichwertig im Verein angesehen haben. Wir haben im Jahr 2000 ein Konzept erarbeitet, das vorsah, dass wir jede
Jugendklasse mindestens doppelt besetzen, irgendwann mal Verbandsliga spielen und immer einen ausgeglichenen Etat haben. Das haben wir geschafft. Wir haben
heute 27 Trainer mit Lizenz, vier könnten die Hessenligamannschaft trainieren. Wir haben exzellente Trainingsbedingungen, zu denen auch Teammanager beitragen,
die den Coaches den Rücken freihalten. Wir hatten in 25 Jahren nur zwei Wechsel im Vorstand und haben viele kompetente Leute. Deshalb haben wir auch Artur
Lemm als Sportlichen Leiter geholt, der ein gutes Netzwerk hat und die Gespräche mit den Spielern führt. Das entlastet Trainer und Vorstand. Wir haben alleine zwei
A-Jugend- und drei B-Jugend-Teams, während viele Vereine nicht mal eines auf die Beine stellen können. Und wir brauchen kein Scouting: Die Eltern kommen mit
ihren Kindern aus dem ganzen Kreis und sagen, sie wollen bei uns spielen.
Wo sehen Sie Rot-Weiß Walldorf in den nächsten Jahren?
Mein Ziel ist es, dem Verein noch zehn Jahre zu helfen. Dann möchte ich mich zur Ruhe setzen: mit einer gepflegten Anlage, mit Hessenliga-Fußball und mit 380
Kindern in der Jugendabteilung - so wie heute. Mehr als das, was wir jetzt haben, ist fast nicht möglich, aber es muss immer wieder für Stabilität gesorgt werden. Über
einen weiteren Aufstieg würden wir uns freuen, aber wir werden unsere seriöse Linie nie verlassen und mit Schulden pokern.
Das Interview führte Heiko Weissinger.
Marcus Spahn „brennt" wieder - jetzt für Rot-Weiß Walldorf
Der neue Sportliche Leiter des Fußball-Hessenligisten spricht im Interview über zwei Jahre ohne Fußball, die
Perspektive bei RWW und seinen Ex-Club VfB Ginsheim.
Ein Paukenschlag war am Wochenende die Bekanntgabe der Verpflichtung von Marcus Spahn als Sportlicher Leiter des Fußball-
Hessenligisten Rot-Weiß Walldorf. Der 54-jährige Dornheimer arbeitet nun wieder mit Trainer Artur Lemm zusammen, mit dem er den
VfB Ginsheim einst von der Gruppenliga bis in die Hessenliga geführt hatte. Im Interview spricht er über die vergangenen beiden
fußballlosen Jahre, die Beweggründe für den Wechsel nach Walldorf und die Perspektiven des erfolgreichsten Fußballvereins im Kreis
Groß-Gerau.
Herr Spahn, nach zwei Jahren Pause sind Sie zurück im Fußballgeschäft. Wie fühlt sich das an?
Es fühlt sich nicht besonders gut an und nicht besonders schlecht. Das Gewohnte ist halt zurück. Ich muss mir erst einmal die neue
Aufgabe verinnerlichen und mir einen Überblick verschaffen.
Das klingt sehr nüchtern...
Das Leben hat sich durch Corona in den letzten zwei Jahren verändert und mein Bezug zum Fußball wurde dadurch auch nüchterner.
Die Zeit war ja überwiegend fußballlos, dadurch bin ich nicht mehr jede Woche damit konfrontiert worden, wie mein alter Verein gespielt
hat. Und selbst wenn ich im Vorstand geblieben wäre, hätte ich ja deutlich weniger in der Pandemie zu tun gehabt.
Aber Sie brennen heute noch genauso wie vor zwei, drei Jahren?
Ja, jetzt wieder. Sonst hätte ich nicht zugesagt. Was die Motivation angeht, habe ich nicht weniger Feuer als früher.
Wie haben Sie das überhaupt zwei Jahre ausgehalten, nachdem Sie vorher so viele Stunden in der Woche mit dem Fußball
beschäftigt waren?
Sehr gut. Ich habe mehr Zeit mit meiner Familie verbracht, mich noch intensiver um meinen Garten gekümmert und meinen
Freundeskreis häufiger getroffen. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Zeit eigentlich beim VfB Ginsheim draufgegangen ist, das war schon
ein Fulltimejob.

Artur Lemm: „Für mich ist Putin der Teufel"
Trainer des Hessenligisten Rot-Weiß Walldorf hat erste fünf Lebensjahre in Ukraine verbracht.
Russisch geprägter Verein Sturm Darmstadt setzt auf verbindende Kraft des Fußballs.
Von Dirk Winter und Jan Felber

Er stand am Spielfeldrand, beobachtete seine Hessenliga-Fußballer des SV Rot-Weiß Walldorf. Unterteilte ihr Tun in Gelungenes und
Misslungenes, dirigierte zuweilen lautstark. Wie immer also, wenn sich Artur Lemm als Trainer engagiert. Doch dieses Testspiel am
vergangenen Samstag gegen den SV Neuhof (0:2) kam ihm auch gelegen, um etwas Zerstreuung zu finden. Eine gedankliche Pause von
der Sorge um die Menschen in der Ukraine. Denn es ist Lemms Geburtsland, das sich gerade verzweifelt gegen russische Invasoren
wehrt.
In Nikopol im Südosten der Ukraine leben Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen des 46 Jahre alten Bischofsheimers. Der Angriffskrieg
auf Geheiß des russischen Machthabers Wladimir Putin sei noch nicht in Nikopol angekommen. Aber aus der Ferne seien
explodierende Bomben zu hören. Weshalb Angst auch für seine, Lemms, Verwandte, eine ständige Begleiterin sei. „Für mich ist Putin
der Teufel", sagt Lemm, Sohn einer ukrainischen Mutter und eines deutschen Vaters.


Eine im stark umkämpften Kiew wohnende Cousine und ihre Tochter seien tagelang zwischen Wohnung und Luftschutzkeller gependelt - in ständiger Furcht vor
russischem Bombardement. Mittlerweile sind beide aus der Hauptstadt geflüchtet, wie Lemm berichtet, und jenseits der polnischen Grenze erst einmal von Verwandten
seiner Frau in Empfang genommen worden. Derweil machten sich Lemms in Mainz lebende Eltern auf, die beiden Flüchtenden dort abzuholen. Gestern hatten sie nach
einer Übernachtung in Polen noch etwa 250 Kilometer vor sich.
Lemm versucht, sich nicht anmerken zu lassen, dass seine Gedanken immer wieder um diesen Krieg und um die Sicherheit seiner ukrainischen Familienangehörigen
kreisen. „Aber ich muss natürlich weiter meinen Alltag bewältigen, zumal ich in mehrfacher Hinsicht Verantwortung trage", sagt der Unternehmer, der in Rüsselsheim
einen Sportartikelhandel betreibt und zudem Teilhaber einer Firma für Medizinschutz-Produkte ist.
Da tut es gut, hin und wieder auf andere Gedanken zu kommen. Wobei nicht nur der Fußball hilft. Der in der Karnevals-Hochburg Mainz aufgewachsene Lemm schaute
sich am vergangenen Freitag die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht" an. Schmunzelte über manchen Kokoloresvortrag, registrierte auch
dankbar eine klare närrische Kante zu aktuellen Themen.
In Nikopol lebte Lemm, der noch eine jüngere, ebenfalls dort geborene Schwester hat, bis zum fünften Lebensjahr. Sein Mainzer Vater arbeitete mehrere Jahre in der
Stadt am riesigen Kachowkaer Stausee, der viermal so groß wie der Bodensee ist. Die Familie verließ damals die zur damaligen UdSSR gehörende Ukraine. Fortan
wuchs Lemm in Mainz auf. Seine Russischkenntnisse - Ukrainisch war in der Sowjetunion verboten - hat sich Lemm in Grundzügen bewahrt. Aus den Tiefen seines
Langzeitgedächtnisses hervorgekramt, konnte er sich damit bei späteren Sommerurlauben in Nikopol verständigen.
An diese Reisen erinnert er sich gerne: „Das war wie Urlaub am Meer." Krabben und andere Krustentiere, Fisch und Kaviar seien dort beliebt. In dem mediterranen
Klima im Sommer wachsen beispielsweise Wassermelonen, wie Lemm erzählt: „Die kenne ich noch aus meiner Kindheit. Wassermelonen waren immer da." Seine
bislang letzte Reise nach Nikopol liegt zehn Jahre zurück. Doch was gerade im Land seiner Kindheit geschieht, macht Lemm „unendlich wütend und traurig", wie er
sagt: „Die Ukraine ist ein freies, demokratisches Land mitten in Europa, das gerade angegriffen wird. Das ist durch nichts zu rechtfertigen."

Szenenwechsel:
2012 überlegten einige Fußballbegeisterte, die als „Hinterhofmannschaft" und „Hobbykicker" unterwegs gewesen waren, wie sie ihren Verein nennen würden, den sie
jetzt ganz offiziell gründen wollten. Hauptsächlich saßen damals Russen zusammen in Darmstadt, doch schnell war klar, dass dies sekundär sein sollte. So wurde der
neue Verein als „Sturm Darmstadt" aus der Taufe gehoben. Nicht Dynamo, auch nicht Spartak - ganz bewusst neutral sollte der Name sein. Darauf legen sie bis heute
wert. „Das war und ist uns sehr wichtig", sagt Sergej Zimmermann, der Zweiter Vorsitzender des Vereins ist und die erste Sturm-Mannschaft in der B-Liga Darmstadt
trainiert. „Wir sind ein friedlicher Verein, der gerne Spaß hat und bei dem nach einem Spiel auch mal ein Bier oder eine Cola mit dem Gegner zusammen getrunken
wird."
Auch deshalb will man sich speziell ungern politisch positionieren in diesen Tagen, in denen in der Ukraine ein Krieg tobt, den Nachbar Russland losgetreten hat und
dessen Entwicklung weltweit mit wachsender Sorge beobachtet wird. Zimmermann selbst ist Russe, er hat aber auch viele Verwandte und Bekannte in der Ukraine.
„Das liegt mir alles sehr am Herzen", sagt er. „Ich muss mich da etwas in Acht nehmen. Ich kenne Leute in der Nähe von Kiew, einige auf der Krim. Und auch in
anderen Gebieten habe ich Bekannte."
Zimmermann hat persönlich eine ganz klare Meinung zu dem Konflikt. Er deutet an, dass nicht alle Informationen richtig sein müssen, die in den Medien vermittelt
werden. Das sagt er als Privatperson, als Vertreter von Sturm Darmstadt hält er sich zurück und verweist lieber auf die verbindende Kraft des Fußballs, die er auch in
Zukunft nicht in Gefahr sieht. „Wir sprechen überhaupt nicht über Politik. Unser einziges Thema hier ist der Fußball", sagt er.
Kritik an Schiri-Neuregelung: „Das macht den Fußball kaputt“
Die seit 1. Juli geltenden Bedingungen zur Erfüllung des Pflichtsolls kommen nicht bei allen Vereinsvertretern gut an.
Benachteiligt sehen sich Clubs mit vielen Jugendteams.
Von Dirk Winter und Heiko Weissinger (GG-Echo)
„Das macht den Fußball kaputt.“ „Das kann, das darf keinen Bestand haben.“ „Irgendwann werden wir die Quittung dafür kriegen.“ Stimmen aus einer kontroversen
Diskussion in Leeheim während der jüngsten Jahrestagung der Vereine im Fußballkreis Groß-Gerau. Es ging um die Neuregelung des Schiedsrichter-Pflichtsolls, die
seit 1. Juli für die Klubs im Hessischen Fußball-Verband (HFV) gilt.
Bislang mussten die HFV-Vereine für jede Männer- und Frauenmannschaft sowie für ihre Jugendabteilung einen Schiedsrichter stellen. Angerechnet wurden
Unparteiische nur dann, wenn sie innerhalb eines Spieljahres (1. Juli bis 30. Juni) mindestens zwölf Partien geleitet und fünf Pflichtlehrveranstaltungen besucht hatten.
An dieser Hürde scheiterten aber viele Schiedsrichter. Beispielhaft berichtete Kreisschiedsrichterobmann Uwe Lang von seinem Verein, dem SC Opel Rüsselsheim:
„Wir hatten in der Glanzzeit mal 17 Leute, doch von denen erfüllte damals kein einziger sein Soll.“ Das andere Extrem seien Unparteiische, die innerhalb einer Saison
über hundert Spiele pfiffen.
Mit dem Ziel, das System gerechter zu machen, beschloss der HFV-Verbandstag im September 2021 besagte Reform des Paragrafen 26 der Spielordnung. Nun also
wird eine Anzahl von Spielleitungen berechnet, die ein Verein abhängig von der Klassenzugehörigkeit seiner Mannschaften zu leisten hat. Für Männerteams
beispielsweise sind es in Hessen-, Verbands- und Gruppenliga 30 Spielleitungen, von der Kreisoberliga abwärts 15. Für die Frauen sind für Bundes- bis Regionalliga
30 Spielleitungen festgelegt, für die Hessenliga abwärts zehn. Auch für A- bis D-Jugendliche sind je nach Ligazugehörigkeit bestimmte Werte vorgeschrieben, ab der
E-Jugend abwärts sind keine Spielleitungen zu erbringen. Bei Spielgemeinschaften wird die Anzahl der zu leistenden Schiedsrichtereinsätze auf die daran beteiligten
Vereine aufgeteilt. Verstöße gegen das Pflichtsoll werden mit Verwaltungsstrafen und im Wiederholungsfall mit einem Punktabzug für die erste Männermannschaft
geahndet - oder, falls es in dem Verein ausschließlich Frauenfußball gibt, für das erste Frauenteam.
Damit nicht ein besonders fleißiger Schiedsrichter im Alleingang das Vereinspflichtsoll erfüllt, werden maximal 50 Spielleitungen angerechnet. „Wenn man das nicht
machen würde“, erklärte Kreisfußballwart Horst Feidner, „würde man sich in die Abhängigkeit von einzelnen, sehr aktiven Schiedsrichtern begeben“. Voraussetzung für
die Anrechnung ist, dass man die Teilnahme an fünf Lehrveranstaltungen (drei Präsenzsitzungen und zwei E-Learning-Seminare) und an der Kreisleistungsprüfung
nachweisen kann. Für Mitglieder des Verbandsschiedsrichterausschusses und für den Verbandslehrstab gelten die nachzuweisenden Lehrveranstaltungen bereits als
erledigt. Und: Die Mitglieder der Schiedsrichterausschüsse und Schiedsrichterbeobachter bekommen zusätzlich zu ihrem Dienst an der Pfeife weitere 25 Spiele
angerechnet.
„Ich finde diese Lösung besser als das alte System“, resümierte Uwe Lang und nannte ein Beispiel: Bei der bisherigen Regelung von zwölf Mindesteinsätzen sei es
vorgekommen, dass Schiedsrichter bis etwa September oder Oktober ihr Soll erledigt hätten: „Und dann waren die bis 30. Juni verschwunden, verschollen und sind nie
mehr aufgetaucht.“ So sei das System ad absurdum geführt worden. Die Neuregelung nehme die Vereine und auch die Schiedsrichter stärker in die Pflicht.
Feidner appellierte an die Vereinsvertreter, dem neuen System eine Chance zu geben: „Warten wir's mal ab, ob sich das in der Praxis bewährt.“ Vereine, die intensiv
Jugendarbeit betreiben, fühlen sich allerdings benachteiligt. Beispiel SKV Büttelborn. Deren drei Schiedsrichter mussten bis 1. Juli jeweils die Mindestanzahl von zwölf
Partien pfeifen, um das Soll für den Verein zu erfüllen. Da die SKV viele Jugendteams hat, sind nun über 100 Spielleitungen gefordert. Das heißt, jeder Büttelborner
Schiedsrichter muss zwischen 35 und 40 Partien pfeifen - dreimal so viel wie bisher.