Neues zu den Ligen

Tag der Presse Mal als Tag der offenen Tür, mal als Tag der Presse

Rot-Weiss Verantwortliche informieren vor Rundenbeginn über unsere Teams in der Gruppenliga (Erste) und
Kreisliga (U23). Rückblick, Ausblick, Zugänge, Zusammensetzung und Ziele.
Umbruch mit 17 neuen Spielern

Walldorf verpflichtet zehn Zugänge und holt sieben Talente aus der A-Jugend in den Aktiven-Kader
Von Dirk Winter

Vassilios Porporis hat den Fußball-Gruppenligisten SV Rot-Weiß
Walldorf wieder verlassen. Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler, erst
nach der Winterpause der vergangenen Saison zu seinem
Heimatverein zurückgekehrt, hat sich wieder dem FC Viktoria
Urberach angeschlossen - jenem Hessenliga-Absteiger, bei dem
er zuvor nach langer Verletzungspause gespielt hatte.
Mit seinem Weggang hatten die RWW-Verantwortlichen
gerechnet und sich in ihrer Personalplanung darauf vorbereitet,
wie Trainer Max Martin erklärt. Denn Porporis habe sich den Rot-
Weißen angeschlossen, um wieder in Form zu kommen. „Ich
hätte ihn gerne gehalten", so Martin, „zumal er Walldorfer ist,
hier in der Jugend gespielt hat und ambitioniert ist. Er passt also
zu 100 Prozent in unser Konzept." Aber von Anfang an sei klar
gewesen, dass der Deutsch-Grieche nach Höherem strebe, als
in der Gruppenliga zu spielen.
Ziel ist der Aufstieg in die Verbandsliga
Jene Spielklasse, die die Walldorfer gerne Richtung Verbandsliga verlassen möchten. Daraus macht Martin
keinen Hehl: „Ich kann nur schmunzeln, wenn ich höre, was von unseren Konkurrenten zum Teil für Ziele
ausgegeben werden." Als Beispiel nennt der Trainer den letztjährigen Vizemeister, SG Unter-Abtsteinach, der
sich vorgenommen hat, zu den besten sechs Mannschaften zu gehören. Max Martin interpretiert dieses Ziel
so, dass die SGU möglicherweise auch mit dem sechsten Rang zufrieden wäre. Und das, obwohl der RWW-
Coach die - wie Walldorf - mit höherklassig erfahrenen Neuzugängen verstärkten Bergsträßer noch stärker
einschätzt als in der vergangenen Saison.
Dass der SV Rot-Weiß den Aufstieg als Tabellendritter knapp verpasst hat, führt Martin auf mangelnde
personelle Konstanz zurück. Neuzugänge, die sich als wenig verbindlich erwiesen und den Klub bald wieder
verließen, aber auch Verletzungspech und andere Gründe sorgten dafür, dass Martin 37 Spieler einsetzte:
„Das hat es fast unmöglich gemacht, konzeptionell zu arbeiten", sagt der Trainer. Er deutet an, dass auch der
Teamgeist zu wünschen übrig ließ.
Nun hofft Martin, einen Kader zu haben, mit dem er über Jahre arbeiten könne. Es ist eine junge Mannschaft
mit einem Altersschnitt von knapp 23 Jahren. Zehn Neuzugänge, darunter die Rückkehrer Yannik Luxenburger,
Spiridon Pentidis (beide vom SV Darmstadt 98 gekommen) und Navin Schürmann vom Hessen-liga-Meister
Hessen Dreieich, haben die Rot-Weißen verpflichtet. Außerdem sind sieben Talente aus der A-Jugend in den
Seniorenkader aufgerückt. Laut RWW-Pressesprecher Erwin Mader stammen 15 Spieler dieses Aufgebots aus
der eigenen Jugend.
Zugänge fürs Gruppenligateam
Oben: Adin Hajdarbegovic, Marcel Hammann, Dennis Wohn, Julian Ludwig, Tobias Werther, Dragan Niksic.
Unten: Jannik Luxenburger, Christian Matheisen, Marc Eichfelder, Julian Schneider, Temesgen Mamay,
Fabian Borger.
Bereits in der Winterpause hat Walldorf mit der Kaderplanung begonnen. Nach fast jedem Training und an je-
dem Wochenende habe er zusammen mit dem Trainerteam und mit Sportkoordinator Kures Massali Gesprä-
che mit potenziellen Neuzugängen geführt, sagt Martin. Dies deshalb, weil der SV Rot-Weiß keineswegs -
anders als von Ligakonkurrenten behauptet werde - einen Riesenetat zur Verfügung habe.
Kern des RWW-Konzepts ist es, so Vorsitzender Manfred Knacker, junge Spieler weiterzuentwickeln. Und
zwar Fußballer aus der eigenen Jugend, die entweder direkt aus den Walldorfer A-Junioren kommen oder den
Umweg über einen anderen, höherklassigen Verein genommen haben und nun wieder zurückgekehrt sind.
„Dazu ist der Max da, um solche Spieler dann auszubilden", sagt Knacker: „Über den Etat, den er dafür hat,
würden andere Vereine in der Gruppenliga vielleicht nur müde lächeln."
Unter den Neuzugängen finden sich aber auch erfahrene Spieler, die die Jungen führen können. Martin nennt
als Beispiel den von Viktoria Urberach gekommenen Dragan Niksic, einen 30 Jahre alten Verteidiger. All diese
Verstärkungen hält der Trainer mit Blick auf die Gruppenliga-Konkurrenz für nötig. Er schätzt diese Spielklasse
als noch stärker und ausgeglichener ein, als dies zuletzt der Fall war. Außer Rot-Weiß traut Martin acht
weiteren Mannschaften Rang eins zu.
Interview mit Mario Gotta

„Last ist jetzt besser verteilt"

MARIO GOTTA Walldorfs Stürmer über das 8:1 in Lampertheim, seine fünf Tore und den Titelkampf
Die Gruppenliga-Fußballer des SV Rot-Weiß Walldorf haben am Donnerstagabend beim 8:1 (3:1)-Erfolg in
Lampertheim eine starke Leistung gezeigt. Herausragend dabei war Stürmer Mario Gotta (27), der fünf Tore
erzielte.
Herr Gotta, acht Tore in Lampertheim und fünf davon von Ihnen - was war da los?
Wir wussten, dass wir zu Chancen kommen, wenn wir unser Angriffspres-sing spielen. Wir hatten immer
wieder Ballgewinne. Und die Lampertheimer waren überfordert, das zeigen auch die zwei Gelb-Roten Karten
am Ende. Sie haben oft mit langen Bällen agiert, aber wir haben uns in der Defensive gut verstärkt.

Was heißt das?
Letztes Jahr war unser Problem, dass wir da nicht gut aufgestellt waren. Jetzt haben wir mit Marcel Hammann
und Christian Matheisen zwei sehr starke Sechser dazubekommen, und auch die Innenverteidigung wirkt
stabil. Da die Defensive gut steht, können wir Offensivspieler mit einem guten Gefühl draufgehen. In der
vergangenen Saison mussten wir uns auf unsere Einzelqualiäten besinnen, jetzt ist die Last besser verteilt. Da
kann ich öfter im Strafraum agieren und kriege mehr Chancen.

War Walldorf am Donnerstag so stark oder Lampertheim so schwach?
Ich denke beides. Bei Lampertheim haben Leute gefehlt, wir konnten mit der gleichen Formation wie im Spiel
davor auflaufen, das war in der vergangenen Saison ganz selten möglich.

Ist Ihnen schon einmal ein Fünferpack gelungen?
In einem Aktiven-Punktspiel nicht. Ich habe mal vier Tore in einem Pokalspiel für Ober-Roden gemacht.

Ihre ersten drei Tore hat Neuzugang Fabian Borger vorgelegt. Wie groß ist sein Anteil?
Er hat sehr präzise geflankt. Beim 1:0 hat er nach einer Ecke den abge-blockten Ball reingebracht, und ich
habe ihn aus fünf Metern reingenickt. Das 3:1 war ein direkter Eckball von ihm, den ich ins Tor geköpft habe.
Und beim 2:1 hat er den Ball mit einer Bogenlampe an den zweiten Pfosten ge-bracht, wo ich ihn ins kurze
Eck geschoben habe.

Trainer Martin war mit den bisherigen Leistungen nicht ganz zufrieden, ist in Lampertheim der Knoten
geplatzt?
Unser Trainer ist ja bekanntlich immer etwas kritischer. Wenn man Fürth 3:0, Michelstadt 6:0 und
Lampertheim 8:1 schlägt, kann man nicht viel falsch gemacht haben. Beim 2:2 in Münster waren Dominik
Lewis und ich nicht dabei, das kann ich nicht beurteilen. Wir müssen uns noch etwas finden und an der
Feinabstimmung arbeiten, aber es sieht schon sehr gut aus.



ZUR PERSON
Mario Gotta (27) ist seit einem
Jahr für den Fußball-Gruppen-
ligisten Rot-Weiß Walldorf am
Ball. Der Stürmer lernte das
Kicken bei TS Ober-Roden und
war in der Jugend auch für den
SV Darmstadt 98 (C-Junioren)
und Kickers Offenbach (A-Junio-
ren) im Einsatz. Als Aktiver trug
er das Trikot von Kickers Offen-
bach II, Viktoria Urberach und
zuletzt fünf Jahre von TS Ober-
Roden, ehe er im Sommer 2016
nach Walldorf kam. Gotta wohnt
in Egelsbach und arbeitet als
Arzt in der Unfallchirurgie und
Orthopädie.
In der vergangenen Saison hat Walldorf knapp den Aufstieg verpasst. Was haben Sie jetzt für ein
Gefühl?
Ein viel besseres. In der letzten Runde haben uns gute Spieler im Stich gelassen, andere hatten nicht die
Qualität. Wir wurden zwar als Favorit gehandelt, aber wer unsere Spiele gesehen hat, weiß, das war nicht der
Fußball, den wir jetzt spielen. Letztes Jahr haben wir oft mit langen Bällen agiert. Jetzt haben wir gut
ausgebildete Fußballer und spielen schön über außen. Das macht richtig Spaß. Letztes Jahr war das mehr ein
Gewürge, deshalb reichte es auch nicht zum Aufstieg.

Wer sind die schärfsten Konkurrenten im Titelkampf?
Auf jeden Fall Fehlheim, die haben sehr gute Spieler. Dann auch Unter-Abtsteinach, die haben sich wieder
verstärkt, und Heppenheim.

Am Sonntag geht es gegen Höchst. Fällst es schwer, sich drei Tage nach so einem glanzvollen Sieg
wieder zu motivieren?
Ich freue mich auf das Spiel. Wenn ich alleine an Torjäger Rico Blecher denke - das ist eine Maschine vorne
drin -, dann ist klar: Wir werden hundertprozentig dabei sein müssen, wenn wir gewinnen wollen, aber das wird
uns gelingen. Wir sind alle sehr motiviert und geben auch am Sonntag Gas.

Das Interview führte Heiko Weissinger.
Flankengott Fabian Borger

Der Fußball lebt von den Toren. Sie sind das Salz in der Suppe, deshalb stehen danach meistens die
Torschützen im Rampenlicht. Ist auch OK so. Aber genauso wichtig sind die Vorlagengeber, die Flankengeber,
wie einst Manni Kalz vom HSV. Präzise wie ein Uhrwerk bediente Kalz seine Mitspieler.
Auch die Rot-Weissen hatten solche Künstler in ihren Reihen. Zuletzt war es Milad Kazemi (studiert jetzt in
Marburg) der leider aus Walldorfer Sicht nicht mehr zur Verfügung steht. Aber wir haben ja den "Neuen" da, den
Borger. Siebenmal hat es bisher im Gegnerischen Gehäuse gerappelt. Siebenmal war Fabian Borger der
Vorbereiter. Mal nach Eckball, dann wieder aus dem Spiel heraus mit präzisen Flanken seine Mitstreiter ins
Rampenlicht setzte. Dankbarster Abnehmer war bisher Mario Gotta. Ein Ausspruch Horst Hrubeschs könnte
lauten: „Fabi Banane, Mario Kopf, Tor". Aber auch Dominik Lewis profitierte von Borgers Flanken.
Zweimal brachte Borger - in allen 16 Spielen dabei - das Spielgerät selbst im Kasten unter.
Hintergrund:
Außenverteidiger Manfred Kalz absolvierte zwischen 1971 und 1991 581 Bundesligaspiele für den Hamburger
SV sowie 69 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, mit der er 1980 Europameister wurde.
Bekannt war er auch für seine sogenannten „Bananenflanken". (Ein Ausspruch Hrubeschs lautete: „Manni
Banane, ich Kopf, Tor").
Als Bananenflanke bezeichnet man im Sprachgebrauch des Fußballsports eine Flanke vor das
gegnerische Tor mit stark gekrümmter Flugbahn. Dafür wird der Ball aus dem Spiel heraus mit Effet getreten.
Der 13 Jahre alte Jeremy Smith aus Mörfelden-Walldorf träumt von der Bundesliga

Von Marc Schüler
Während die meisten Fußballer in seinem Alter Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Manuel Neuer nacheifern, ist das Vorbild
von Jeremy Smith ein anderes: Tobias Stieler. Ein für die meisten eher unbekannter Name, sind doch die Namen der
Schiedsrichter im Profifußball oft nicht mehr als eine Rand-notiz wert.
Für Jeremy Smith ist dies jedoch ein wichtiger Name. Denn der 13-Jährige ist der jüngste Schiedsrichter im Kreis Groß-Gerau
und eifert seinem Vorbild nach. Mit einer Sondergenehmigung des Verbandes durfte der damals noch 12-Jährige am Neulings-
Lehrgang teilnehmen, den sein Vorbild erst mit 14 Jahren absolvierte.
Und er bestand diesen mit Erfolg: seit dem 13. Mai 2017 wird er auf Fußballplätzen im Kreis eingesetzt. „Mein erstes Spiel war
in der D-Jugend Kreisklasse 3 die Partie VfR Groß-Gerau II gegen SV 07 Nauheim II", erinnert sich Jeremy Smith zurück.
Gerne würde er wie sein Vorbild eines Tages Bundesligaspiele leiten, doch weiß er auch, dass es bis dahin ein langer Weg ist.
18 Spiele hat er seit seiner Prüfung im Neulings-Lehrgang geleitet. „Ich hatte das Problem, dass ich selber als Torwart bei Rot-
Weiß Walldorf gespielt habe und somit samstags oft keine Zeit hatte", erklärt er. Gerne hätte er seine aktive Karriere früher
beendet, doch erinnerte ihn sein Vater Stephen an seine Verpflichtung seinen Mannschaftkollegen gegenüber.
Zur Winterpause 2017/18 war es dann soweit: Jeremy hängte seine Handschuhe an den Nagel und konnte sich ganz auf seine
Aufgaben als Schiedsrichter konzentrieren. „Ich denke, dass mich mein Spiel als Torwart sicher nicht so weit gebracht hätte,
wie ich hoffe als Schiedsrichter zu kommen", ist er begeistert von dieser neuen Aufgabe und freut sich auf die
Herausforderungen.
Die volle Unterstützung hat er dabei von Vater Stephen, der eigentlich eher aus dem Bereich des (American) Football kommt,
sich aber seit Jahren dem Fußball verschrieben hat. Er ist engagiert bei RW Walldorf und unter anderem für den DFB im
Nachwuchsbereich tätig.

Regeln, Signale und Körpersprache gelernt
„Wir haben in den vergangenen Jahren ein gemeinsames Ritual gehabt. Wir haben uns die Bundesliga-Übertragungen auf Sky angesehen, und Jeremy hat dabei
das Spiel in seinem Schiedsrichter-Outfit geleitet. Das hat ihm Spaß gemacht, und er hat gleich die Regeln, Signale und Körpersprache der Bundesliga-
Schiedsrichter gelernt", berichtet Vater Stephen.
Dass sein Sohn als Unparteiischer tätig ist, findet er gut. „Er ist dadurch selbstbewusster geworden und zeigt nicht nur auf dem Fußballplatz Präsenz mit breiter
Brust."
Eine charakterliche Veränderung, die auch dem jungen Schiedsrichter selbst aufgefallen ist. „Ich war vorher nie der Entscheidungsfreudigste. Im Fernsehen habe
ich immer die Schiedsrichter bewundert, wie sie mit einem Blick in Sekundenbruchteilen die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Im Spiel hängt viel vom
Schiedsrichter ab, und es ist ein ziemlicher Druck, der auf dem Unparteiischen lastet", sagt der 13-Jährige, der sich bei seinen Einsätzen bereits mit übereifrigen
Eltern und Trainern auseinandersetzen musste. Wenn der Sohn im Einsatz ist, dann ist meist Vater Stephen nicht weit und beobachtet ihn vom Spielfeldrand aus.
Über strittige Situationen tauschen sie sich nach dem Spiel aus. „Ich habe dabei selber einiges gelernt, vor allem merkt man, dass die Perspektive auf dem Feld
eine andere ist als von Außen", sagt der Vater dazu.

Der Verband braucht engagierten Nachwuchs
Ein Traum wäre es für den 13-jährigen, als Schiedsrichter in der Bundesliga ein Spiel zu leiten. Jeremy weiß, dass dies ein langer und schwerer Weg ist. „Der
Verband merkt schnell, wer als Schiedsrichter arbeitet, weil er dies möchte oder wer den Job macht, weil er es für seinen Verein muss. Diejenigen, die ein echtes
Interesse haben, die werden gefördert, denn der Verband braucht einen engagierten Schiedsrichternachwuchs", weiß Jeremy.
Sein Vorbild Tobias Stieler leitet seit 2012 Bundesligaspiele, 16 Jahre brauchte er, um dieses Niveau zu erreichen. „Er hat so eine selbstverständliche Sicherheit
auf dem Platz und liegt selten falsch mit seiner Entscheidung", erklärt Jeremy.
Dass er sich wie sein Vorbild Tobias Stieler engagieren und immer wieder weiterbilden müsse, ist ihm bewusst. Daher nimmt der ambitionierte Jungschiedsrichter
auch an Lehrgängen teil. Als Linienrichter lässt er sich ausbilden, um in höheren Spielklassen Erfahrungen zu sammeln. Immer mit der Motivation und Hoffnung
seinen Traum zu verwirklichen und eines Tages zwei Mannschaften in der Bundesliga auf den Platz zu führen.