Rot-Weißen sind gut aufgestellt
Walldorfs zweite Mannschaft strebt nach oben, von den Nachwuchs-Fußballern gibt es Positives zu berichten
Nach dem furiosen Aufstieg der ersten Mannschaft in die Hessenliga hoffen die Fußballer von Rot-Weiß Walldorf, in nicht allzu ferner Zukunft auch mit der zweiten
nachziehen zu können. „Das wäre gut, wenn wir es da noch eine Klasse höher schaffen", erklärte der Sportliche Leiter Klaus Eigler beim Pressetag von Rot-Weiß.
Doch das ist Zukunftsmusik. In der kommenden Saison geht es im zweiten Kreisoberliga-Jahr erst einmal darum, „nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und einen
sicheren Mittelfeldplatz zu erreichen", so Eigler.
Auch Trainer Ercan Dursun würde mittelfristig zu gerne „den Abstand zur ersten Mannschaft verringern". Im Vordergrund stehe aber jetzt, „den nächsten Schritt zu
machen" und die Talente in ihrer Entwicklung weiter voranzubringen. „Wir sind eine Ausbildungsmannschaft und wollen die jungen Spieler an die Erste heranführen."
Hatte es in der vergangenen Saison eine ganze Weile gebraucht, um das Team an die neue Klasse zu gewöhnen, legte das Team dann eine tolle Rückrunde hin, „in
der wir teilweise die dritt- oder viertbeste Mannschaft waren", hebt Klaus Eigler hervor. „Wir sind in der Liga angekommen und haben viel dazu gelernt", findet auch
Dursun. Und RW-Vorsitzender Manfred Knacker fügt nach dem achten Platz in der Kreisoberliga lobend hinzu: „Die Mannschaft hat sich im Laufe der Runde
stabilisiert. Cano Dursun ist ein umsichtiger Trainer und macht eine gute Basisarbeit."
In Eren Duban und Temesgen Mamay sowie Kapitän Steffen Gernandt hat die Reserve zwar wichtige Spieler verloren. Auch Sebastian Wind, Jamal Wahid, Assil
Mohebbi, Leon Barkham, Veli Tanis und Alexander Zwilling werden fehlen. Es kommen jedoch mit Tim Gerbig, Furkan Karabulut, Dennis Kynast, Thilo Lode, Mikael
Nemway, Joschka Rolle, Jonathan Wiese und Adrian Wolf eine ganze Reihe weiterer Spieler aus der U 19 hoch. Zudem stießen Haroon Alsharou (RW Darmstadt U
19) und Hashem Alsharou (SV Weiterstadt) neu dazu. „Die Abgänge müssen wir kompensieren. Aber wir sind guter Dinge, dass uns das gelingt", sagt Eigler und
blickt zuversichtlich der neuen Saison entgegen.
Was die Nachwuchsarbeit angeht, konnte Knacker zusammen mit Jugendleiter Uwe Wolf nur Positives berichten - die Rot-Weißen sind also gut aufgestellt. „Wir
haben rund 380 Kinder im Alter von vier bis 18 Jahren in 21 Mannschaften gemeldet", erklärt der Vorsitzende, dem die Jugendförderung am Herzen liegt. „Wir haben
Wartelisten ohne Ende", weiß Uwe Wolf von nahezu „täglichen Anfragen" zu berichten. „Aber unsere Kapazität ist erreicht. 21 Mannschaften sind das Maximum. Für
mehr fehlen uns die Ressourcen, da braucht man mehr Trainer und mehr Platz." Positiv verweist Knacker darauf, dass A- und B-Jugend doppelt besetzt ist. Bei der
C-, D- und E-Jugend gibt es gleich drei Teams, bei der F-Jugend sogar vier. Zwei Teams gehen für Walldorf in der G-Jugend an den Start.
Darüber hinaus besteht außerhalb des Spielbetriebs eine Gruppe mit cirka 15 Flüchtlingen zwischen elf und fünfzehn Jahren, die Simo Belfkih anleitet.
„Integrationsarbeit ist uns sehr wichtig", betont Knacker und merkt an: „Von unseren 380 Nachwuchsspielern haben über 200 einen Migrationshintergrund." Besonders
erfreulich: „In der vergangenen Saison hatten wir fast keine Roten Karten im Jugendbereich."
Auch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: „Die B1-Junioren haben unter Marco Eckert wiederum die Klasse gehalten und spielen aktuell schon die elfte
Saison in der Hessenliga", hebt Wolf hervor. Die A-Jugend geht unter der Regie von Steffen Kaschel in der Verbandliga ins fünfte Jahr, wo sie nun auf den Aufstieg
hofft. „Und die C1-Junioren wurden Kreispokalsieger", betont Wolf, der auf einen Pool an Übungsleitern verweisen kann: „Aktuell arbeiten cirka 50 Trainer und Betreuer
mit unseren jungen Fußballern, 27 davon mit Lizenz, einige sogar mit A-Lizenz." Um die Zukunft muss sich Rot-Weiß Walldorf keine Sorgen machen.

Für Euch am Ball GG

Körperlich robust und kopfballstark
Jan Deumlich überzeugt seit drei Jahren im defensiven Mittelfeld von Rot-Weiß Walldorf / Auch im Sturm einsetzbar
Von Dirk Winter
Jan Deumlich ist der Größte. Ja, nachweislich misst kein Feldspieler des Hessenligisten SV Rot-Weiß Walldorf
mehr als der Mittelfeldmann, dessen Wachstum erst nach 1,92 Metern aufgehört hat. Kein Wunder, dass er bei
Kopfballduellen oft die Lufthoheit hat. Diese Stärke bringt Deumlich im zentralen defensiven Mittelfeld ein. Aber der
27 Jahre alte Urberacher, der in Neu-Isenburg wohnt, kann auch stürmisch. Als dem SV Rot-Weiß im Dezember
vergangenen Jahres die Angreifer ausgegangen waren, machte Trainer Max Martin aus dem Toreverhinderer den
Torjäger Deumlich. Im Sturmzentrum des späteren Verbandsliga-Meisters schoss er alle Treffer beim 3:0-Sieg gegen
Eintracht Altwiedermus.
„Aber die Körpergröße ist nunmal nicht das einzig Entscheidende", sagt Deumlich, der sich keineswegs als Stürmer
sieht: „Ich bin ja nicht gerade der Edeltechniker." Die Rolle des Abräumers vor der Abwehr ist ihm am liebsten. Seine
körperliche Robustheit und seine Kopfballstärke kommen ihm da zugute.
Schon in seiner fußballerischen Jugendzeit, die er beim FC Viktoria Urberach verbracht hat, habe er viele Mit- und
Gegenspieler überragt. In der F-Jugend hütete er noch das Tor, um später mehrere Abwehrpositionen zu durchlaufen
und schließlich als C-Jugendlicher ins Mittelfeld zu wechseln. Damals spielte Deumlich wie seine Eltern auch noch
Tennis beim FC Viktoria. Mit Aufschlagwucht und Volleyspiel habe er gepunktet. Im A-Jugend-Alter entschied er,
sich fortan auf Fußball zu konzentrieren.
Mit seiner Vielseitigkeit und seiner Führungsqualitäten ist Deumlich, 2016 von Urberach nach Walldorf gewechselt,
einer der prägenden Spieler des SV Rot-Weiß. Einer der Vorsteiger in der RWW-Seilschaft, die mit dem
Durchmarsch von der Gruppen- in die Hessenliga einen so rasanten Aufstieg geschafft hat. Trotzdem wirkte er in der
vergangenen drei Jahren in nur 52 Spielen mit, 95 wären möglich gewesen. Denn mehrmals warfen ihn Verletzungen
zurück, vor allem muskuläre Blessuren. „Der Ehrgeiz ist manchmal ein bisschen zu groß, und dann übernimmt man
sich schon mal", sagt Deumlich dazu.
Aktuell hat er einen Muskelfaserriss in der Wade, weshalb er das erste Walldorfer Hessenligaspiel seit 24 Jahren -
der 3:2-Sieg gegen Eddersheim - verpasst hat und auch am Sonntag (15 Uhr) in Steinbach nicht spielen kann.
Deumlich, der noch nie in Hessens höchster Liga wider den Ball getreten hat, muss sich noch zwei bis drei Wochen
gedulden.

Die erste langwierige Verletzung war eine Schambeinentzündung, die er sich beim FC Viktoria zugezogen hatte. Einen Spezialisten nach dem anderem suchte er auf,
bis endlich die Ursache und eine wirkungsvolle Therapie gefunden waren. Dabei fand Deumlich unter anderem heraus, dass er einen für die Erholung nach muskulärer
Belastung problematischen Stoffwechsel hat. Deshalb hängt er an jedes Training ein zwanzigminütiges Regenerationsprogramm an. Deumlich ist auch ein Freund der
sogenannten Eistonne, also bei besonders intensiver Anstrengung ein Kältebad zu nehmen, um den erhitzten Körper zu kühlen, die Durchblutung der Muskulatur und
somit die Regeneration zu fördern.
Als Zuschauer des Auftaktspiels wurden seine Erwartungen an die Hessenliga bestätigt: Im Vergleich zur Verbandsliga werde mit mehr Körpereinsatz und höherem
Tempo gespielt, außerdem gebe es mehr individuelle Klasse in den Mannschaften. Aber der gelungene Saisonstart des SV Rot-Weiß hat Deumlich in seiner Zuversicht
bestärkt, „dass wir auf jeden Fall die Klasse halten können".
Übrigens: Jan Deumlich ist zwar der größte RWW-Feldspieler. Aber ein Fußballer des Teams überragt ihn noch: der 1,96 Meter große Torhüter Maximilian Hinterkopf.
Zwei "Super-Teams" im Kreis
Kapitäne von Rot-Weiß Walldorf und VfB Ginsheim empfinden das 3:3 im Derby als gerecht
Von Dirk Winter
Oliver Schmitt, Kapitän des Hessenligisten VfB Ginsheim, ist ein freundlicher Mensch. Einer, der meist ein Lächeln auf den Lippen hat. Das war auch nach dem irren
Derby beim SV Rot-Weiß Walldorf so. Aber: Dass der VfB in der 88. Minute 3:2 in Führung gegangen war, um dann in der dritten Minute der Nachspielzeit das Tor zum
3:3-Endstand zu kassieren, nervte Schmitt gewaltig: „Das regt mich auf", sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler, zu dessen Jugendvereinen Concordia Gernsheim
zählt.
Ganz anders waren die Befindlichkeiten des Walldorfer Spielführers Christian Matheisen. Trotz des Ausgleichstors in letzter Sekunde - gleich danach pfiff
Schiedsrichter Pascal Loschke (Vellmar) ab - sprach Matheisen von einem leistungsgerechten Unentschieden: „Eine Niederlage hätten wir definitiv nicht verdient
gehabt." Auch Schmitt kam zu diesem Resümee: „Vom Spielverlauf her ist das sicher gerecht." Dennoch sah er eher zwei verlorene Punkte als den einen gewonnenen
Zähler.
Wieder einmal hatte der SV Rot-Weiß enorme Nehmerqualitäten gezeigt. Hatte sich nicht davon entmutigen lassen, trotz teils furioser erster Halbzeit mit 0:2 in
Rückstand geraten zu sein. Dass der VfB in der ersten halben Stunde kaum agierte, sondern fast nur auf die Rot-Weißen reagierte, erklärte Schmitt mit der Stärke der
Heimelf: „Die Walldorfer haben das gut gemacht, haben uns gut zugestellt. Wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir ins Spiel reingekommen sind. Aber dann wurde
es ja besser."
Matheisen bedauerte es, dass der Aufsteiger aus seiner starken Phase nichts gemacht hatte - trotz zweier Großchancen. „Gegen einen so guten Gegner", sagte der
28 Jahre alte Rüsselsheimer, „kriegt man nicht viele Chancen. Und die, die du hast, muss du nutzen." Versäumt man es und leistet sich, wie der SV Rot-Weiß in
diesem Spiel, einige für den Gegner profitable Unaufmerksamkeiten, „dann kannst du so ein Spiel auch verlieren", so Matheisen.
Was ging in der RWW-Mannschaft vor, nachdem sie schon zwei Minuten nach der Halbzeitpause das zweite Gegentor kassiert hatte? „Nicht viel Negatives", antwortete
Matheisen: „Es war natürlich wichtig, dass wir gleich im Gegenzug das Anschlusstor schossen." Außerdem habe sich die Mannschaft schon in der Kabine während der
Pause klargemacht, dass sie Tore erzwingen werde, wenn sie ihr Spiel weiterspielen würde. Also mit viel Tempo, Leidenschaft, Kampfgeist und auch Spielwitz.
Ähnliche Qualitäten hielt der VfB in der zweiten Halbzeit dagegen. Und so kam Oliver Schmitt zu folgendem Fazit: „Es gibt jetzt also zwei super Teams im Kreis Groß-
Gerau."
Drei Fragen an Marc Eichfelder , Fußballer des SV RW Walldorf
Marc Eichfelder zählt zu jenen Fußballern, die den rasanten Aufstieg des SV Rot-Weiß Walldorf mitgemacht
haben. Im Sommer 2017 von Viktoria Kelsterbach zum damaligen Gruppenligisten gekommen, spielt der 24 Jahre
alte Außenverteidiger seine dritte Saison im Team von Trainer Max Martin - jetzt in der Hessenliga. Nach dem
bitteren 1:1 bei Türk Gücü Friedberg äußerte sich Eichfelder im Kurzinterview.

Herr Eichfelder, fühlt sich das 1:1 in Friedberg wie eine Niederlage an?
ME: Ja.

Es ist in dieser Saison schon mehrere Male passiert, dass mehr für Ihre Mannschaft drin war als ein Unentschieden
oder gar eine Niederlage. Wo fehlt es da noch?
ME: Wir sind vielleicht noch ein bisschen grün hinter den Ohren. Wir gehen in der 36. Minute in Führung, verteidigen
dann das 1:0, lassen gar keine richtige Torchance des Gegners zu. Und weil wir so unerfahren sind, hauen wir in
der 92. Minute einen Gegenspieler um, und es gibt Elfmeter.

Sind das eher Kleinigkeiten, die Euch noch fehlen?
ME: Ich weiß nicht, ob uns da einfach die Konzentration fehlt. Oder ob es halt daran liegt, dass wir ein Aufsteiger
sind und nun erstmal das berühmte Lehrgeld zahlen. Da sind andere Mannschaften eben abgebrühter als wir. Die
brauchen nicht viele Torchancen, sondern machen die Dinger halt rein. Das ist der Unterschied: Wir haben unsere
Chancen, aber machen die Tore nicht. Da fehlt uns noch die Kaltschnäuzigkeit. Und am Ende des Spiels bekommt
man dann die Quittung. Es sind vielleicht nur zwei Prozent, die uns im Vergleich zu anderen Mannschaften noch
fehlen. Diese Cleverness. Aber jetzt gilt: Mund abwischen und weitermachen.

Das Interview führte Dirk Winter.
Interview: Drei Fragen an Christopher Felter,
Mittelfeldspieler von Hessenligist Rot-Weiß Walldorf

Christopher Felter spielt im vierten Jahr bei Hessenligist Rot-Weiß Walldorf. Der 33-jährige Mittelfeldspieler war
2013 von Rot-Weiß Darmstadt zum damaligen Gruppenligisten gewechselt, blieb eineinhalb Jahre, um nach
weiteren dreieinhalb Jahren bei den Darmstädter Rot-Weißen nach Walldorf zurückzukehren - diesmal in die
Verbandsliga. Nach dem mühsamen 2:0-Sieg beim FV Bad Vilbel, der wegen eines Platzverweises 46 Minuten in
Unterzahl spielte, stand Felter Rede und Antwort.

FuPa: Herr Felter, war das so ein Spiel der Kategorie „Hauptsache gewonnen"?
Christopher Felter:Ja, definitiv. Wir haben Kampfgeist gezeigt und uns belohnt. Das Spiel zwei (das 4:2 in
Fernwald) hat uns noch in den Beinen gesteckt. Außerdem war der Platz ziemlich holprig. Vielleicht haben wir uns
deswegen ein bisschen schwergetan.

FuPa: Warum fällt es oft so schwer, gegen eine Mannschaft in Unterzahl zu spielen?
Felter: Das ist eine Kopfsache. Man denkt, dass man das Spiel dann locker runterspielen kann - und macht dann
ein paar Prozent weniger. Das ist natürlich falsch, in dieser hohen Klasse sowieso. Das ist wie in einem
Pokalspiel, wenn es gegen eine unterklassige Mannschaft geht. Auch da kann es sein, dass man die nötige
Einstellung nicht hat.

FuPa: Jetzt hat Walldorf dreimal in Folge gewonnen und steht auf dem vierten Tabellenplatz...
Felter: Ja, sehr schön. Wir sind eine gute Mannschaft. Wir sind gut aufgestellt, auch in der Breite des Kaders. Da
macht es einen Megaspaß, Fußball zu spielen. Hoffentlich geht es jetzt weiter so.

Das Interview führte Dirk Winter.
"Walldorf ist gut aufgestellt"
Interview: Drei Fragen an Christopher Nguyen,
Offensivspieler von Hessenliga-Aufsteiger Rot-Weiß Walldorf
"Wir wissen, dass wir mithalten können"
Christopher Nguyen stürmt in der zweiten Saison für Hessenligist Rot-Weiß Walldorf. Über die rechte Angriffsseite
sorgt der 31 Jahre alte Darmstädter, früher in höheren Klassen bis zur Zweiten Bundesliga (Karlsruher SC) am Ball,
für viel Wirbel und Torgefahr. Dies tat er auch am Sonntag bei der 1:4-Niederlage gegen den SC Hessen Dreieich.
Fast hätte Nguyen den Aufsteiger kurz vor der Halbzeitpause in Führung geschossen, doch der Ball klatschte an
den Pfosten. Nach dem Ende der Walldorfer Erfolgsserie von vier Spielen ohne Niederlage stand der Angreifer Rede
und Antwort.
FuPa: Herr Nguyen, 1:4 gegen einen Regionalliga-Absteiger verloren - da könnte man meinen, Rot-Weiß
Walldorf sind die Grenzen aufgezeigt worden. War dem so?
Christopher Nguyen: Ich finde nicht. In der ersten Halbzeit haben wir auf Augenhöhe gespielt. Von den
Torchancen waren wir sogar überlegen. Wenn ich meinen Schuss ein bisschen genauer setze und nicht den
Pfosten treffe, dann führen wir. Und im Gegenzug kriegen wir das 0:1. In der zweiten Halbzeit haben wir mehr
riskiert, sind das eine oder andere Mal auch gut durchgekommen. Die Gegentore sind teilweise unglücklich
gefallen.
FuPa: Trotzdem hat Walldorf die Begegnung deutlich verloren. Was hat eine Mannschaft wie Hessen
Dreieich, was der SV Rot-Weiß noch nicht hat?
Nguyen: Dreieich ist aus der Regionalliga abgestiegen, ist qualitativ - von der individuellen Klasse - hochwertiger.
Da sind viele erfahrene Spieler dabei, die auch in der Regionalliga gezeigt haben, dass sie kicken können. Wir
kommen aus der Verbandsliga und spielen größtenteils mit der gleichen Mannschaft wie im letzten Jahr. Trotzdem
haben wir spielerisch gut mitgehalten. Vielleicht waren wir teilweise etwas zu blauäugig. Ansonsten habe ich
meiner Mannschaft und mir nichts vorzuwerfen.
FuPa: Wirft diese Niederlage die Mannschaft zurück?
Nguyen: Nein, auf keinen Fall. Wir genießen jeden Spieltag in der Hessenliga. Wir wissen, was wir können - und
dass wir in der Hessenliga mithalten können.

Das Interview führte Dirk Winter.

"Das erfüllt mich auch mit Stolz"
Der 23 Jahre alte Julian Ludwig marschiert bei RW Walldorf als stellvertretender Kapitän vorneweg
Zwei Elfmeter hatte Viktoria Urberach schon vergeben. Das konnte nicht so weitergehen, meinte der Trainer des
Verbandsligisten. In der Halbzeitpause dieses Spiels sprach er Julian Ludwig an - und trug ihm auf, den nächsten
Strafstoß zu schießen, falls es noch einen geben sollte. So geschah es denn auch. Ludwig traf sicher, und
seitdem ist er beim Elfmeterschießen erste Wahl. Das ist auch beim SV Rot-Weiß Walldorf so geblieben, für den
Ludwig in der dritten Saison spielt.
Sein Trainer damals wie heute ist Max Martin. Beim Hessenligisten tut sich der 23 Jahre alte Dieburger im
defensiven Mittelfeld hervor. Als Zweikämpfer, der Angriffe abfängt, bevor es im RWW-Strafraum brenzlig werden
kann. Aber auch als Eröffner des Offensivspiels.
In dieser Rolle im Zentrum wirkte Ludwig meistens, seit er im Alter von vier Jahren beim SC Hassia Dieburg mit
dem Fußballspielen begann. Sein Trainer war damals Stephan Ludwig, sein Vater. Zuweilen, wenn er nicht gerade
für den SV Rot-Weiß am Ball ist, schaut er den Dieburger Gruppenliga-Fußballern zu. Zumal sein drei Jahre älterer
Bruder Lukas das Tor des SC Hassia hütet.
In der E-Jugend wechselte Julian Ludwig zu Eintracht Frankfurt, ehe es ihn zwei Jahre später zum SV Darmstadt
98 zog. Als A-Jugendlicher trug er das Trikot der TS Ober-Roden. Die ihm dort zugewiesene Aufgabe in der
Innenverteidigung erfüllte er ebenfalls - „aber ungern", wie er hinzufügt. Nicht, dass ihm das Verteidigen nicht liegt.
„Aber ich beteilige mich halt auch gerne am Spielaufbau", sagt der 23-Jährige. An der Frankfurter Goethe-
Universität studiert er Sport auf Lehramt. Auch wenn er sich noch offenlässt, welchen beruflichen Weg er mit dieser
Ausbildung einschlägt: Er kann sich durchaus vorstellen, als Lehrer vor einer Schulklasse zu stehen „Ich glaube,
dass es mir liegen könnte, anderen etwas beizubringen", sagt er dazu.
Vorneweg zu marschieren, Verantwortung zu übernehmen, das kennt Julian Ludwig in anderer Form auch aus dem
Fußball. Beim SV Rot-Weiß vertritt er den Kapitän, wenn besagter Christian Matheisen nicht spielen kann. Dieser
Status zeigt, dass Julian Ludwig im Team als Führungspersönlichkeit anerkannt ist. „Das erfüllt mich auch ein
bisschen mit Stolz", sagt er. Obwohl er sich nicht als Lautsprecher sieht, eher als ruhigen Typ, nehme er die Rolle
als Anführer doch bewusst wahr. Wobei er betont: „Ich versuche, die anderen Spieler auch dann mitzuziehen, wenn
ich die Kapitänsbinde nicht trage."

Die Hessenliga kennt Ludwig bereits aus der Saison 2016/17. „Aber das war eine Saison zum Vergessen", sagt er. Damals war er mit Viktoria Urberach aufgestiegen,
doch in Hessens höchster Spielklasse hatten die Rödermarker keine ligataugliche Mannschaft mehr. Denn das Team, das Meister der Verbandsliga Süd geworden
war, hatten zahlreiche Leistungsträger verlassen. Darunter Trainer Max Martin, der mit fünf Spielern nach Walldorf wechselte. Als abgeschlagener Tabellenletzter mit
nur elf Punkten stieg die rundum erneuerte Viktoria aus der Hessenliga ab.
Fahrgemeinschaft mit Nils Herdt
Einen solchen Absturz wird er in seiner ersten Hessenligarunde mit dem SV Rot-Weiß nicht erleben. Martins Mannen haben in 13 Saisonspielen bereits 20 Punkte
gesammelt und finden sich auf dem achten Tabellenplatz. Ludwig hat keinen Zweifel, dass sich die Walldorfer in dieser Liga etablieren. Und der Mittelfeldspieler ist
gerne bereit, dabei weiter mitzuhelfen: „Ich fühle mich superwohl in Walldorf." Dafür nimmt er auch die gut 40 Kilometer lange Fahrt von seinem Wohnort in Kauf. Mit
seinem Mannschaftskollegen Nils Herdt, der in der Nähe wohnt, bildet er eine Fahrgemeinschaft. Ob dies auch am Sonntag (15 Uhr) so ist, wenn die Rot-Weißen den
KSV Baunatal erwarten, ist fraglich. Herdts Einsatz steht wegen einer Erkältung infrage.

Von Dirk Winter
Walldorfs Erfolgsrezept: „Das Entscheidende ist der Teamgeist"
Trainer Max Martin spricht im Interview über die Gründe für die erfolgreiche Hinrunde des Aufsteigers in der Fußball-Hessenliga.
Rot-Weiß Walldorf ist neben Spitzenreiter FC Eddersheim die Überraschungsmannschaft in der Fußball-
Hessenliga. Der Aufsteiger belegt mit 26 Punkten Rang acht und kann mit einem Sieg im Nachholspiel gegen
Hanau sogar noch Regionalliga-Absteiger SC Hessen Dreieich überholen, der als Siebter ein Spiel mehr
absolviert und 27 Punkte geholt hat.

Herr Martin, 26 Punkte aus 16 Spielen, acht Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz - hätten Sie eine
solche Bilanz vor der Saison für möglich gehalten?
Die Hessenliga war eher eine Unbekannte und eine Einschätzung des Saisonverlaufs in dieser Liga schwierig.
Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass meine Mannschaft einiges möglich macht.

Sie sagten im Sommer, es könne nur um den Klassenerhalt gehen. Sind Ihre Fußballer jetzt besser als
erwartet oder die anderen Teams schlechter?
Weder noch. Ich bin allerdings schon erstaunt, dass wir unser Spiel weiter durchziehen können - auch wenn wir
natürlich noch viel mehr gefordert werden. Unser flexibles Offensivspiel beispielsweise müssen wir weiter
verfeinern. Defensiv werden wir auch noch flexibler werden.

Was sind die Gründe für das gute Abschneiden Ihres Teams?
Die Basis bildet der Verein. Kurz gesagt, ob als Trainer oder als Spieler: Man fühlt sich wohl hier. Ich habe sehr
früh erkannt, dass es alleine nicht geht. Ein Grund für unser gutes Abschneiden ist die Betreuung rund um das
Team und die Kompetenz der Trainer an meiner Seite. Ich brauche keinen Co-Trainer, der mir die Hütchen
aufstellt, sondern Partner auf Augenhöhe, die nicht nur ja sagen, vielmehr sachlich und kritisch mit mir
zusammenarbeiten. Marco Wronski beispielsweise ist bereits in der letzten Saison zu uns gestoßen und hat
nicht nur unser Trainingsniveau massiv gesteigert. Das Entscheidende ist aber der Teamgeist.

Was lief schon gut und woran müssen Sie mit Ihren Spielern noch arbeiten?
Wir haben vieles schon gut gemacht, allerdings nimmt man uns jetzt ernster und stellt sich besser auf uns ein.
Wir sind daher gezwungen, noch mehr im Detail zu arbeiten. In einigen Situationen sind wir noch etwas naiv.
Gegen Hessen Dreieich beispielsweise bekommen wir die ersten beiden Gegentore nach Einwürfen, in Friedberg
verursachen wir nach 94 Minuten einen Elfmeter zum 1:1-Ausgleich. Das sind unnötige Gegentore, die zu
unnötigen Punktverlusten führen.

Sind Sie mit den Neuzugängen zufrieden?
Mit unseren Möglichkeiten haben wir uns im Sommer sehr gut verstärkt. Besonders hervorheben muss man Jonas Herberg, der sich nicht nur sportlich, sondern auch
menschlich sehr schnell eingefügt hat. Ich würde ihn bereits jetzt als Führungsspieler bezeichnen. Auch Takero Itoi hat sich sehr schnell integriert. Er ist jemand, der
ganz genau zuhört und lernen will. Bela Wendnagel ist auch sehr positiv in Erscheinung getreten und ich bin auf seine weitere Entwicklung sehr gespannt. Daniele
Toch hat leider immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, und unsere „jungen" Neuzugänge benötigen einfach noch Zeit und Geduld.

Haben Sie Spieler aus dem Kader besonders positiv überrascht ?
Unsere Außenverteidiger Christopher Felter und Fabian Borger haben sich noch mal gesteigert. Durch unser hohes Verteidigen müssen sie sich besonderen
Herausforderungen stellen, diese meistern sie sehr souverän. Torwart Kevin Darmstädter spielt eine überragende Saison. Große Freude bereitet mir allerdings die
ganze Mannschaft, besonders weil ich spüre, dass sie mir hundertprozentig vertraut.

Jetzt kommen drei Partien in sieben Tagen, die Heimspiele gegen Steinbach und Hanau und das Derby in Griesheim. Wie wichtig wird diese Woche?
Im Hinblick auf diese Spiele, unser Restprogramm vor der Winterpause und die vielen Ausfälle bin ich besonders froh, dass wir unser Heimspiel gegen Dietkirchen
gewinnen konnten. Bei fünf potenziellen Absteigern muss man bis zum Ende der Saison auf der Hut sein und darf sich nie ausruhen.

Wer sind für Sie die Top-Abstiegskandidaten und wer ist Ihr Titelfavorit?
Der Saisonverlauf hat gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann, und auch im oberen Drittel war noch keine Mannschaft konstant. Zu den Abstiegskandidaten möchte
ich keine Prognose abgeben. Im Kampf um den Titel hat mir bisher Eddersheim am besten gefallen. Sie versuchen - ähnlich wie wir - immer spielerische Lösungen zu
finden.

Sie haben kürzlich Torwart Marcel Czirbus verpflichtet. Sind in der Winterpause weitere Zugänge zu erwarten? Oder Abgänge?
Marcel wollte ich bereits vor der Saison verpflichten, er entschied sich aber dafür, in Dreieich zu bleiben. Max Hinterkopf ist wegen beruflicher Veränderungen oft im
Ausland, deshalb mussten wir reagieren. Weitere Verpflichtungen müssen wohl überlegt sein. Es geht bei uns nicht nur darum, Qualität zu holen. Vielmehr müssen
Neuzugänge auch charakterlich in unser Team passen. Wir haben aber nicht vor, noch jemanden zu holen.

Mannschaften von Max Martin werden nach der Winterpause in der Regel noch besser als in der Hinrunde. Was können wir da noch von Walldorf
erwarten?
In der Vergangenheit konnten wir uns nach der Wintervorbereitung immer steigern. In dieser Saison sind wir allerdings bereits auf einem hohen Niveau gestartet, da die
meisten Spieler bereits zwei, drei Jahre bei mir sind. Mannschaften, die neu zusammengestellt wurden, haben da vielleicht mehr Luft nach oben. Es bleibt abzuwarten,
was wir noch herauskitzeln können. Ich habe jedenfalls noch einiges auf der Agenda.
Das Interview führte Heiko Weissinger.
Drei Fragen an Jonas Herberg
Verteidiger vom SV Rot-Weiß Walldorf im Kurzinterview
Jonas Herberg, vor der Saison vom Verbandsligisten SF/BG Marburg gekommen, ist aus der Abwehr des SV Rot-
Weiß Walldorf nicht mehr wegzudenken. In allen 21 Saisonspielen des Fußball-Hessenligisten wirkte der 29 Jahre
alte Verteidiger mit - und zwar in sämtlichen 1890 Spielminuten. Dies ist sonst nur Torhüter Kevin Darmstädter
gelungen. Nach der Walldorfer 0:5-Niederlage bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz stand Herberg Rede und
Antwort.
Herr Herberg, 0:4 in Kassel, 0:4 in Griesheim und 0:5 in Fulda: Die jüngsten drei Auswärtsspiele liefen
nicht erfreulich für den SV Rot-Weiß. Wie ist das zu erklären? Spielt die Mannschaft auswärts anders als
zu Hause?
Eigentlich wollen wir auswärts genauso spielen wie zu Hause: aggressiv, offensiv, den Gegner früh anlaufen. Zu
Hause kriegen wir es gut hin. Aber in den letzten drei Auswärtsspielen bekamen wir das nicht auf den Platz
gebracht. Da verteidigten wir nicht so gut, standen nicht eng genug am Mann, und dann werden lange Bälle vom
Gegner eben gefährlich.
Daran, dass die RWW-Fußballer platt sind, kann es ja eigentlich nicht liegen, oder? Denn in Fulda hat
die Mannschaft anfangs der zweiten Halbzeit deutlich an läuferischem Einsatz und Kampfkraft zugelegt.
Da war in einer Phase nichts davon zu sehen, dass das Team eventuell ausgelaugt ist.
Ja, wir wollten in unserer letzten Halbzeit in diesem Jahr nochmal eine Reaktion zeigen. Dass wir schon 21 Spiele
hinter uns haben, kann keine Ausrede sein. Nein, platt sind wir nicht. Wir haben einen großen Kader und schon 24
Spieler in dieser Saison eingesetzt. Es haben also genug Leute eine Pause bekommen.
Sind Sie trotzdem froh, dass jetzt Winterpause ist?
Einerseits natürlich schon, weil wir nunmal viele Spiele hatten. Andererseits ist es schade, mit so einer Auswärts-
Negativserie in die Winterpause zu gehen. Wir haben 30 Punkte geholt. Das ist für einen Aufsteiger in Ordnung. Wir
hätten aber aus den letzten Spielen gerne noch drei, vier Punkte mehr geholt. Die müssen wir dann halt im neuen
Jahr holen. Vielleicht tut es gut, dass wir weiterhin Druck haben. Jetzt sehen wir zu, dass wir nach einer
sechswöchigen Pause konzentriert in die Vorbereitung gehen.

Das Interview führte Dirk Winter