Für Euch am Ball GG

"Walldorf ist gut aufgestellt"
Martin sucht passendes Spielsystem
Nach Ansicht des Coachs hat Fußball-Hessenligist RW Walldorf an Tempo eingebüßt / Nopp und Pinho neu im Team
Von Dirk Winter
Foto: Erwin Mader
Nicht jeden Typ Fußballer, der den Verein verlassen hat, konnte der SV Rot-Weiß Walldorf ersetzen. Wie berichtet, muss der Hessenligist künftig ohne die
Flügelflitzer Christopher Nguyen und Daniel Beck auskommen. Im Gegenzug habe man zwar andere Qualitätsspieler fürs Mittelfeld unter Vertrag genommen, erklärt
Trainer Max Martin: „Aber das sind keine großen Sprinter. Und es sind Leute, die sich eher im Zentrum wohlfühlen, nicht aber auf der Außenbahn." Der SV Rot-Weiß
habe deshalb an Tempo eingebüßt. Neun Neuzugänge, darunter die kurzfristig verpflichteten Marc-André Nopp (Hessen Dreieich) und Kyran Chambron Pinho (FSV
Frankfurt U19), hat der Club verpflichtet. Ihnen stehen sechs Abgänge gegenüber.
Martin ist noch dabei, das für diese Mannschaft passende Spielsystem zu finden. Eine Herausforderung, die nach seiner Einschätzung nicht zu unterschätzen ist:
„Das könnte Probleme geben." Ein entsprechend vorsichtiges Saisonziel nennt Martin. In der auf 20 Mannschaften aufgeblähten Hessenliga, aus der in der
kommenden Saison bis zu sechs Teams absteigen, solle das RWW-Team erst einmal den Klassenerhalt sichern: „Und dann kann man weitersehen."
Die fußballerische Wiedererkennbarkeit des SV Rot-Weiß soll aber im Findungsprozess nicht verschüttgehen. Erst kürzlich hat Martin mit seiner Mannschaft viel
spieltaktisch Grundlegendes besprochen, um ihr seine Vorstellungen von Fußball nahezubringen: „Das müssen halt die Spieler, die neu dazugekommen sind, erst
einmal verstehen." Bis möglichst alle Mannschaftsglieder so reibungslos zusammenwirken, als ob in diesem Gebilde nie Teile ausgetauscht worden wären. Auch
wenn diese Entwicklung Zeit brauche, spricht der Trainer von einem gewissen Ergebnisdruck. Das Team müsse das Gefühl haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Auf
dass die Geduld nicht verloren gehe. In den bisherigen beiden Wochen der Saisonvorbereitung „hat die Mannschaft super gearbeitet", sagt Martin.
Itoi fehlt erkrankt, Eichfelder verletzt
Nicht alle Spieler sind zurzeit im Training. Takero Itoi ist krank, Marc Eichfelder hat eine Leistenzerrung. Nils Herdt, beim Testspielauftakt bei Rot-Weiß Frankfurt (3:3)
umgeknickt, hat eine Knöchelverletzung.
Vorbereitet hat sich der SV Rot-Weiß auch darauf, die Corona-Auflagen der Behörden und des Hessischen Fußball-Verbandes für den Spielbetrieb zu erfüllen. Ihr
Hygienekonzept haben die RWW-Verantwortlichen vor einigen Tagen an den Verband und an das städtische Bürger- und Ordnungsamt geschickt. Bei letzterer
Behörde hat der Verein auch beantragt, die Teilnehmerzahl für seine Hessenliga-Heimspiele auf bis zu 400 Personen erhöhen zu dürfen. Die Antwort steht noch aus.
So will der SV Rot-Weiß ein Konfliktpotenzial entschärfen: Denn bislang darf die Teilnehmerzahl für ein Fußballspiel maximal 250 Personen betragen. Abzüglich
Spielern, Betreuern, Schiedsrichtern und Vereinsfunktionären bliebe für Zuschauer nur eine Kapazität von etwa 190 Leuten. Eine Zahl, die der SV Rot-Weiß meist
übertrifft, sodass Besucher abgewiesen werden müssten.
Wenig hält Martin davon, Spielern sogenannte Teambuilding-Maßnahmen aufzuerlegen. Dies bringe nicht ansatzweise so viel, als wenn die Mannschaft eine
gemeinsame Aktion organisiere. So geschehen vor einigen Wochen, als Vorsitzender Manfred Knacker die Anfrage entzückte, ob die RWW-Fußballer in Eigenleistung
ihre Kabine renovieren dürften: „Dass eine Hessenliga-Mannschaft so etwas macht, kommt bestimmt nicht so oft vor. Da bin ich richtig stolz auf die Jungs." Diese
Arbeiten neigen sich dem Ende entgegen. Ein Zwischenergebnis vermag Knacker nicht zu verkünden: „Ich darf die Kabine erst betreten, wenn sie fertig ist."

TESTSPIELE UND KREISPOKAL-HALBFINALE
Auch einige Testspiele hat der SV Rot-Weiß Walldorf vereinbart. Am Samstag (8.), 17 Uhr, erwartet der Hessenligist den FC Speyer (Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar).
Zuschauer werden gebeten, sich vorab ein auf der Fußballseite der Vereinshomepage (www.rw-walldorf.de) eingestelltes Besucher-Datenblatt herunterzuladen, um es
dann ausgefüllt mitzubringen.
Für 14. August (11 Uhr) haben die Walldorfer einen Formtest beim Kreisoberliga-Meister FCA Darmstadt vereinbart. Das für 22. August (14 Uhr) geplante Spiel gegen
Regionalligist Offenbacher Kickers wird aus Sicherheitsgründen nicht in Walldorf ausgetragen, möglicherweise sogar ganz abgesagt. Am 23. August, 19 Uhr, gastieren
die Rot-Weißen im Kreispokal-Halbfinale beim Gruppenligisten SV 07 Geinsheim. Das Finale wird am 30. August (19 Uhr) angepfiffen. Zuvor, am 29. August (11 Uhr),
bestreitet das RWW-Team noch ein Testspiel bei der U23 des SV Waldhof Mannheim (Verbandsliga Nordbaden).

Nichts ist mehr wie es war
Corona-Bedingungen bestimmen das Fußball-Geschehen der anstehenden Saison von der Bundesliga bis in die Kreisebene - somit auch in Hessen.
Von Gerhard Götze
War der Spielbetrieb der vergangenen Saison von der Corona Pandemie gezeichnet wo am Ende der Abbruch aller Ligen stand, wirft diese schon ihren Schatten in die
Spielzeit 2020/21 voraus.
Aufgrund des Abbruchs musste die Saison am Schreibtisch statt auf dem Rasen entschieden werden. Die Verantwortlichen hatten es sicherlich nicht leicht eine für
alle Vereine befriedigende Lösung zu finden. Am Ende stand fest es gab nur Aufsteiger aber keine Absteiger. Die Liegen wurden aufgebläht. So auch die uns
betreffende Lotto Hessenliga, welche auf 20 Vereine aufgestockt wurde, als auch die Kreisoberliga Darmstadt mit 17 Vereine.
Fußball kompakt
Da die Saison mit einem Monat Verspätung, erst Anfang September beginnt, aber dennoch im Juni 2021 beendet werden soll stehen den Vereinen stressige Zeiten
bevor. 38 Spieltage bis Mitte Juni kommenden Jahres bei der Hessenliga, 34 bei Kreisoberliga. Jeweils sechs englische Wochen mit sechs Spieltagen unter der
Woche, müssen bewältigt werden.
Ein Mammutprogramm unter Corona-Bedingungen
Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans sind dennoch froh, dass der Fußball wieder Einzug hält auf dem Grün, auch wenn er unter dem Schatten von Corona steht.
Die ersten Auswirkungen sind ja schon zu beobachten. Aufgrund steigender Ansteckungszahlen im Main-Kinzig-Kreis wurden die Auflagen für die dortigen
Sportvereine wieder verschärft. Spielverbot in etlichen Kommunen bis zum 24. September sind die Folgen. Dies trifft in der Hessenliga den FC Hanau 93 und den FC
Erlensee, deren erste Spiele abgesetzt wurden. In der Kreisoberliga sind noch keine Spielabsetzungen vorgesehen. Außerdem lassen die behördlichen Auflagen
derzeit nur eine begrenzte Anzahl von 150 Zuschauer (je nach Kreis) zu.
Auch in sportlicher Hinsicht wird den Vereinen viel abverlangt. Bis zu sechs Absteiger könnte es in der Hessenliga am Ende der Saison geben, aus den Verbandsligen
steigen nur die Meister auf, Eine Aufstiegs Relegation zur Hessenliga wird es nicht geben. In die Regionalliga aufsteigen kann Tabellenerste, der Zweite könnte seine
Chance über die Aufstiegsrunde nutzen.
Bei dieser Konstellation dürfte über die Hälfte der Mannschaften im Kampf um den Klassenverbleib stehen. Da heißt es möglich schnell, möglichst viele Punkte zu
sammeln. Auch mit Blick auf einen erneuten vorzeitigen Abbruch wegen Corona. In diesem Falle zählen dann die Punkte auf der Habenseite.
In der Kreisoberliga ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Hier gibt es einen Direktaufsteiger, Relegationsspiele entfallen. Absteigen müssen die drei Tabellenletzten,
der Vierzehnte kann sich über die Relegation retten.
Da steht uns also eine überaus spannende Saison 2020/21 bevor.