Rot-Weißen sind gut aufgestellt
Walldorfs zweite Mannschaft strebt nach oben, von den Nachwuchs-Fußballern gibt es Positives zu berichten
Nach dem furiosen Aufstieg der ersten Mannschaft in die Hessenliga hoffen die Fußballer von Rot-Weiß Walldorf, in nicht allzu ferner Zukunft auch mit der zweiten
nachziehen zu können. „Das wäre gut, wenn wir es da noch eine Klasse höher schaffen", erklärte der Sportliche Leiter Klaus Eigler beim Pressetag von Rot-Weiß.
Doch das ist Zukunftsmusik. In der kommenden Saison geht es im zweiten Kreisoberliga-Jahr erst einmal darum, „nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und einen
sicheren Mittelfeldplatz zu erreichen", so Eigler.
Auch Trainer Ercan Dursun würde mittelfristig zu gerne „den Abstand zur ersten Mannschaft verringern". Im Vordergrund stehe aber jetzt, „den nächsten Schritt zu
machen" und die Talente in ihrer Entwicklung weiter voranzubringen. „Wir sind eine Ausbildungsmannschaft und wollen die jungen Spieler an die Erste heranführen."
Hatte es in der vergangenen Saison eine ganze Weile gebraucht, um das Team an die neue Klasse zu gewöhnen, legte das Team dann eine tolle Rückrunde hin, „in
der wir teilweise die dritt- oder viertbeste Mannschaft waren", hebt Klaus Eigler hervor. „Wir sind in der Liga angekommen und haben viel dazu gelernt", findet auch
Dursun. Und RW-Vorsitzender Manfred Knacker fügt nach dem achten Platz in der Kreisoberliga lobend hinzu: „Die Mannschaft hat sich im Laufe der Runde
stabilisiert. Cano Dursun ist ein umsichtiger Trainer und macht eine gute Basisarbeit."
In Eren Duban und Temesgen Mamay sowie Kapitän Steffen Gernandt hat die Reserve zwar wichtige Spieler verloren. Auch Sebastian Wind, Jamal Wahid, Assil
Mohebbi, Leon Barkham, Veli Tanis und Alexander Zwilling werden fehlen. Es kommen jedoch mit Tim Gerbig, Furkan Karabulut, Dennis Kynast, Thilo Lode, Mikael
Nemway, Joschka Rolle, Jonathan Wiese und Adrian Wolf eine ganze Reihe weiterer Spieler aus der U 19 hoch. Zudem stießen Haroon Alsharou (RW Darmstadt U
19) und Hashem Alsharou (SV Weiterstadt) neu dazu. „Die Abgänge müssen wir kompensieren. Aber wir sind guter Dinge, dass uns das gelingt", sagt Eigler und
blickt zuversichtlich der neuen Saison entgegen.
Was die Nachwuchsarbeit angeht, konnte Knacker zusammen mit Jugendleiter Uwe Wolf nur Positives berichten - die Rot-Weißen sind also gut aufgestellt. „Wir
haben rund 380 Kinder im Alter von vier bis 18 Jahren in 21 Mannschaften gemeldet", erklärt der Vorsitzende, dem die Jugendförderung am Herzen liegt. „Wir haben
Wartelisten ohne Ende", weiß Uwe Wolf von nahezu „täglichen Anfragen" zu berichten. „Aber unsere Kapazität ist erreicht. 21 Mannschaften sind das Maximum. Für
mehr fehlen uns die Ressourcen, da braucht man mehr Trainer und mehr Platz." Positiv verweist Knacker darauf, dass A- und B-Jugend doppelt besetzt ist. Bei der
C-, D- und E-Jugend gibt es gleich drei Teams, bei der F-Jugend sogar vier. Zwei Teams gehen für Walldorf in der G-Jugend an den Start.
Darüber hinaus besteht außerhalb des Spielbetriebs eine Gruppe mit cirka 15 Flüchtlingen zwischen elf und fünfzehn Jahren, die Simo Belfkih anleitet.
„Integrationsarbeit ist uns sehr wichtig", betont Knacker und merkt an: „Von unseren 380 Nachwuchsspielern haben über 200 einen Migrationshintergrund." Besonders
erfreulich: „In der vergangenen Saison hatten wir fast keine Roten Karten im Jugendbereich."
Auch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: „Die B1-Junioren haben unter Marco Eckert wiederum die Klasse gehalten und spielen aktuell schon die elfte
Saison in der Hessenliga", hebt Wolf hervor. Die A-Jugend geht unter der Regie von Steffen Kaschel in der Verbandliga ins fünfte Jahr, wo sie nun auf den Aufstieg
hofft. „Und die C1-Junioren wurden Kreispokalsieger", betont Wolf, der auf einen Pool an Übungsleitern verweisen kann: „Aktuell arbeiten cirka 50 Trainer und Betreuer
mit unseren jungen Fußballern, 27 davon mit Lizenz, einige sogar mit A-Lizenz." Um die Zukunft muss sich Rot-Weiß Walldorf keine Sorgen machen.

Für Euch am Ball GG

Körperlich robust und kopfballstark
Jan Deumlich überzeugt seit drei Jahren im defensiven Mittelfeld von Rot-Weiß Walldorf / Auch im Sturm einsetzbar
Von Dirk Winter
Jan Deumlich ist der Größte. Ja, nachweislich misst kein Feldspieler des Hessenligisten SV Rot-Weiß Walldorf
mehr als der Mittelfeldmann, dessen Wachstum erst nach 1,92 Metern aufgehört hat. Kein Wunder, dass er bei
Kopfballduellen oft die Lufthoheit hat. Diese Stärke bringt Deumlich im zentralen defensiven Mittelfeld ein. Aber der
27 Jahre alte Urberacher, der in Neu-Isenburg wohnt, kann auch stürmisch. Als dem SV Rot-Weiß im Dezember
vergangenen Jahres die Angreifer ausgegangen waren, machte Trainer Max Martin aus dem Toreverhinderer den
Torjäger Deumlich. Im Sturmzentrum des späteren Verbandsliga-Meisters schoss er alle Treffer beim 3:0-Sieg gegen
Eintracht Altwiedermus.
„Aber die Körpergröße ist nunmal nicht das einzig Entscheidende", sagt Deumlich, der sich keineswegs als Stürmer
sieht: „Ich bin ja nicht gerade der Edeltechniker." Die Rolle des Abräumers vor der Abwehr ist ihm am liebsten. Seine
körperliche Robustheit und seine Kopfballstärke kommen ihm da zugute.
Schon in seiner fußballerischen Jugendzeit, die er beim FC Viktoria Urberach verbracht hat, habe er viele Mit- und
Gegenspieler überragt. In der F-Jugend hütete er noch das Tor, um später mehrere Abwehrpositionen zu durchlaufen
und schließlich als C-Jugendlicher ins Mittelfeld zu wechseln. Damals spielte Deumlich wie seine Eltern auch noch
Tennis beim FC Viktoria. Mit Aufschlagwucht und Volleyspiel habe er gepunktet. Im A-Jugend-Alter entschied er,
sich fortan auf Fußball zu konzentrieren.
Mit seiner Vielseitigkeit und seiner Führungsqualitäten ist Deumlich, 2016 von Urberach nach Walldorf gewechselt,
einer der prägenden Spieler des SV Rot-Weiß. Einer der Vorsteiger in der RWW-Seilschaft, die mit dem
Durchmarsch von der Gruppen- in die Hessenliga einen so rasanten Aufstieg geschafft hat. Trotzdem wirkte er in der
vergangenen drei Jahren in nur 52 Spielen mit, 95 wären möglich gewesen. Denn mehrmals warfen ihn Verletzungen
zurück, vor allem muskuläre Blessuren. „Der Ehrgeiz ist manchmal ein bisschen zu groß, und dann übernimmt man
sich schon mal", sagt Deumlich dazu.
Aktuell hat er einen Muskelfaserriss in der Wade, weshalb er das erste Walldorfer Hessenligaspiel seit 24 Jahren -
der 3:2-Sieg gegen Eddersheim - verpasst hat und auch am Sonntag (15 Uhr) in Steinbach nicht spielen kann.
Deumlich, der noch nie in Hessens höchster Liga wider den Ball getreten hat, muss sich noch zwei bis drei Wochen
gedulden.

Die erste langwierige Verletzung war eine Schambeinentzündung, die er sich beim FC Viktoria zugezogen hatte. Einen Spezialisten nach dem anderem suchte er auf,
bis endlich die Ursache und eine wirkungsvolle Therapie gefunden waren. Dabei fand Deumlich unter anderem heraus, dass er einen für die Erholung nach muskulärer
Belastung problematischen Stoffwechsel hat. Deshalb hängt er an jedes Training ein zwanzigminütiges Regenerationsprogramm an. Deumlich ist auch ein Freund der
sogenannten Eistonne, also bei besonders intensiver Anstrengung ein Kältebad zu nehmen, um den erhitzten Körper zu kühlen, die Durchblutung der Muskulatur und
somit die Regeneration zu fördern.
Als Zuschauer des Auftaktspiels wurden seine Erwartungen an die Hessenliga bestätigt: Im Vergleich zur Verbandsliga werde mit mehr Körpereinsatz und höherem
Tempo gespielt, außerdem gebe es mehr individuelle Klasse in den Mannschaften. Aber der gelungene Saisonstart des SV Rot-Weiß hat Deumlich in seiner Zuversicht
bestärkt, „dass wir auf jeden Fall die Klasse halten können".
Übrigens: Jan Deumlich ist zwar der größte RWW-Feldspieler. Aber ein Fußballer des Teams überragt ihn noch: der 1,96 Meter große Torhüter Maximilian Hinterkopf.
Zwei "Super-Teams" im Kreis
Kapitäne von Rot-Weiß Walldorf und VfB Ginsheim empfinden das 3:3 im Derby als gerecht
Von Dirk Winter
Oliver Schmitt, Kapitän des Hessenligisten VfB Ginsheim, ist ein freundlicher Mensch. Einer, der meist ein Lächeln auf den Lippen hat. Das war auch nach dem irren
Derby beim SV Rot-Weiß Walldorf so. Aber: Dass der VfB in der 88. Minute 3:2 in Führung gegangen war, um dann in der dritten Minute der Nachspielzeit das Tor zum
3:3-Endstand zu kassieren, nervte Schmitt gewaltig: „Das regt mich auf", sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler, zu dessen Jugendvereinen Concordia Gernsheim
zählt.
Ganz anders waren die Befindlichkeiten des Walldorfer Spielführers Christian Matheisen. Trotz des Ausgleichstors in letzter Sekunde - gleich danach pfiff
Schiedsrichter Pascal Loschke (Vellmar) ab - sprach Matheisen von einem leistungsgerechten Unentschieden: „Eine Niederlage hätten wir definitiv nicht verdient
gehabt." Auch Schmitt kam zu diesem Resümee: „Vom Spielverlauf her ist das sicher gerecht." Dennoch sah er eher zwei verlorene Punkte als den einen gewonnenen
Zähler.
Wieder einmal hatte der SV Rot-Weiß enorme Nehmerqualitäten gezeigt. Hatte sich nicht davon entmutigen lassen, trotz teils furioser erster Halbzeit mit 0:2 in
Rückstand geraten zu sein. Dass der VfB in der ersten halben Stunde kaum agierte, sondern fast nur auf die Rot-Weißen reagierte, erklärte Schmitt mit der Stärke der
Heimelf: „Die Walldorfer haben das gut gemacht, haben uns gut zugestellt. Wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir ins Spiel reingekommen sind. Aber dann wurde
es ja besser."
Matheisen bedauerte es, dass der Aufsteiger aus seiner starken Phase nichts gemacht hatte - trotz zweier Großchancen. „Gegen einen so guten Gegner", sagte der
28 Jahre alte Rüsselsheimer, „kriegt man nicht viele Chancen. Und die, die du hast, muss du nutzen." Versäumt man es und leistet sich, wie der SV Rot-Weiß in
diesem Spiel, einige für den Gegner profitable Unaufmerksamkeiten, „dann kannst du so ein Spiel auch verlieren", so Matheisen.
Was ging in der RWW-Mannschaft vor, nachdem sie schon zwei Minuten nach der Halbzeitpause das zweite Gegentor kassiert hatte? „Nicht viel Negatives", antwortete
Matheisen: „Es war natürlich wichtig, dass wir gleich im Gegenzug das Anschlusstor schossen." Außerdem habe sich die Mannschaft schon in der Kabine während der
Pause klargemacht, dass sie Tore erzwingen werde, wenn sie ihr Spiel weiterspielen würde. Also mit viel Tempo, Leidenschaft, Kampfgeist und auch Spielwitz.
Ähnliche Qualitäten hielt der VfB in der zweiten Halbzeit dagegen. Und so kam Oliver Schmitt zu folgendem Fazit: „Es gibt jetzt also zwei super Teams im Kreis Groß-
Gerau."
Drei Fragen an Marc Eichfelder , Fußballer des SV RW Walldorf
Marc Eichfelder zählt zu jenen Fußballern, die den rasanten Aufstieg des SV Rot-Weiß Walldorf mitgemacht
haben. Im Sommer 2017 von Viktoria Kelsterbach zum damaligen Gruppenligisten gekommen, spielt der 24 Jahre
alte Außenverteidiger seine dritte Saison im Team von Trainer Max Martin - jetzt in der Hessenliga. Nach dem
bitteren 1:1 bei Türk Gücü Friedberg äußerte sich Eichfelder im Kurzinterview.

Herr Eichfelder, fühlt sich das 1:1 in Friedberg wie eine Niederlage an?
ME: Ja.

Es ist in dieser Saison schon mehrere Male passiert, dass mehr für Ihre Mannschaft drin war als ein Unentschieden
oder gar eine Niederlage. Wo fehlt es da noch?
ME: Wir sind vielleicht noch ein bisschen grün hinter den Ohren. Wir gehen in der 36. Minute in Führung, verteidigen
dann das 1:0, lassen gar keine richtige Torchance des Gegners zu. Und weil wir so unerfahren sind, hauen wir in
der 92. Minute einen Gegenspieler um, und es gibt Elfmeter.

Sind das eher Kleinigkeiten, die Euch noch fehlen?
ME: Ich weiß nicht, ob uns da einfach die Konzentration fehlt. Oder ob es halt daran liegt, dass wir ein Aufsteiger
sind und nun erstmal das berühmte Lehrgeld zahlen. Da sind andere Mannschaften eben abgebrühter als wir. Die
brauchen nicht viele Torchancen, sondern machen die Dinger halt rein. Das ist der Unterschied: Wir haben unsere
Chancen, aber machen die Tore nicht. Da fehlt uns noch die Kaltschnäuzigkeit. Und am Ende des Spiels bekommt
man dann die Quittung. Es sind vielleicht nur zwei Prozent, die uns im Vergleich zu anderen Mannschaften noch
fehlen. Diese Cleverness. Aber jetzt gilt: Mund abwischen und weitermachen.

Das Interview führte Dirk Winter.
Interview: Drei Fragen an Christopher Felter,
Mittelfeldspieler von Hessenligist Rot-Weiß Walldorf

Christopher Felter spielt im vierten Jahr bei Hessenligist Rot-Weiß Walldorf. Der 33-jährige Mittelfeldspieler war
2013 von Rot-Weiß Darmstadt zum damaligen Gruppenligisten gewechselt, blieb eineinhalb Jahre, um nach
weiteren dreieinhalb Jahren bei den Darmstädter Rot-Weißen nach Walldorf zurückzukehren - diesmal in die
Verbandsliga. Nach dem mühsamen 2:0-Sieg beim FV Bad Vilbel, der wegen eines Platzverweises 46 Minuten in
Unterzahl spielte, stand Felter Rede und Antwort.

FuPa: Herr Felter, war das so ein Spiel der Kategorie „Hauptsache gewonnen“?
Christopher Felter:Ja, definitiv. Wir haben Kampfgeist gezeigt und uns belohnt. Das Spiel zwei (das 4:2 in
Fernwald) hat uns noch in den Beinen gesteckt. Außerdem war der Platz ziemlich holprig. Vielleicht haben wir uns
deswegen ein bisschen schwergetan.

FuPa: Warum fällt es oft so schwer, gegen eine Mannschaft in Unterzahl zu spielen?
Felter: Das ist eine Kopfsache. Man denkt, dass man das Spiel dann locker runterspielen kann - und macht dann
ein paar Prozent weniger. Das ist natürlich falsch, in dieser hohen Klasse sowieso. Das ist wie in einem
Pokalspiel, wenn es gegen eine unterklassige Mannschaft geht. Auch da kann es sein, dass man die nötige
Einstellung nicht hat.

FuPa: Jetzt hat Walldorf dreimal in Folge gewonnen und steht auf dem vierten Tabellenplatz...
Felter: Ja, sehr schön. Wir sind eine gute Mannschaft. Wir sind gut aufgestellt, auch in der Breite des Kaders. Da
macht es einen Megaspaß, Fußball zu spielen. Hoffentlich geht es jetzt weiter so.

Das Interview führte Dirk Winter.
"Walldorf ist gut aufgestellt"